Die romiui. Welt und ihr Verliältniss zu den Reformideen den Mittelalters. 475
Krankheit und früher Tod lehrten ihn dann freilich anders
denken.
Da aber die Romanen durch den Einfall K. Karls VIII.
in Italien 1494, durch die Eroberung von Granada, die grossen
Entdeckungen der Spanier und Portugiesen sich an die Spitze der
europäischen Staaten erschwangen, musste, was von ihrer Seite
stattfand, als maassgebend erscheinen. Sie, nicht die Germanen,
Slaven oder Griechen waren damals die Träger der Weltgeschichte.
Fügen wir zu dem Bilde seine Kehrseite.
Wir haben schon früher der apostolischen Thätigkeit des
Valencianers Vincenz Ferrer, dieses Zeitgenossen des Johann
von Husinetz gedacht, der im Jahre 1357 geboren, das nationale
Princip ebenso in den Hintergrund stellte, als der Slave
es zum Ausgangspunkte seiner Thätigkeit machte, und während
dieser den Streit zwischen Deutschen und Cechen, den nationalen
Antagonismus seinem Volke zum traurigen Erbe hinterliess,
die verwahrlosten Massen zu veredeln, die sittlich zu
Grunde gegangenen, allem Höheren scheinbar unzugänglichen
Naturen wie die in Wohlleben versunkenen höheren Stände
dem Evangelium wieder zu gewinnen verstand. Der Eine wie
der Andere geisselte die Sünden seiner Zeit und Rücksicht
gegen letztere kannte der Valencianer noch viel weniger als
Hus, dem K. Wenzel ganz recht war, wenn er nur im Universitätsstreite
zu Prag sich gegen die Deutschen entschied.
Wenn hinter dem Prediger von Bethlehem, der selbst in seinen
Zerwürfnissen mit dem Papste das Concil zu Constanz als sein
Tribunal anerkannte, aber dessen Ausspruch sich nicht zu
unterwerfen gedachte, auf diesem verurtheilt wurde und zu
Grunde ging, die blutigen Gestalten der Taboriten, der Todtschläger
aus religiösem Princip sich erhoben, so ging ein
Hauch des Friedens durch die Welt, wohin der Valencianer
drang. Er war der Rathgeber der Könige wie der Völker geworden,
Trost und Hülfe der Bedrängten. Deutsche, Griechen,
Ungarn, heisst es, lauschten seinen Worten und verstanden ihn,
den Romanen, nahmen Antheil an den wunderbaren Kräften,
die von ihm ausströmten und denen sie ihre Heilung zuschrieben.
Man erwartete auch ihn in Constanz, als er, durch
K. Heinrich V. bewogen, sich nach der Normandie und nach
der Bretagne begab und dort, das Evangelium verkündend,