474 Höfler.
Calixt III., erblickte, der 1492 durch offene Simonie Nachfolger
Innocenz VIII. wurde. Wie Baltassare Cossa ein Mann von
hervorragenden Fähigkeiten, von durchdringendem Verstände
und gleicher Gewissenlosigkeit täuschte Alexander VI. schon
durch seinen Namen die christliche Welt, als er sich zum
Nachfolger jenes Candioten (Alexander V.) machte, mit welchem
. das Pisaner Concil 1408 die Reihe seiner Päpste eröffnet hatte.
Er kannte nichts als sein Interesse, das sich mit der Förderung
seiner Kinder identificirte, welche er mit grenzenloser Schwäche
gewähren liess. Bald konnte man nicht anders sagen, als, wenn
die Kirche durch die Päpste zu Grunde gerichtet werden konnte,
der günstigste Moment hiezu eingetreten war. Von dieser Seite
aus schien jeder Reformgedanke bei Seite gelegt und nur der politische
Calciil, Genusssucht und schmutziges Familieninteresse,
das zu seiner Befriedigung kein Mittel scheute, aus den antiken
Kaiserpalästen in den Vatican gezogen zu sein. Wenn aber
ein italienischer König jener Tage, Don Fernando von Neapel,
nicht genug Worte 1 finden konnte, seinen Abscheu gegen Papst
Alexander und dessen Leben auszudrücken, so gehört es zur
Vollendung des Gemäldes, hinzuzufügen, dass K. Fernando und \
sein Sohn K. Alfonso wegen ihrer Tücke, Habsucht und Grausamkeit
bei ihren Unterthanen nicht minder verhasst waren, als
Papst Alexander allen, die es mit der Kirche redlich meinten.
K. Ferdinand verkaufte das Erzbisthum Tarent für 15.000 Ducati
an einen Juden für dessen Sohn, übergab Abteien an
Falconiers und andere Personen mit der Verpflichtung, Falken
oder Leute zu unterhalten, wie der König es für gut fand. 2
Es war die Vorschule für das, was nachher im Zeitalter
K. Franz I. und Heinrichs II. mit den französischen Abteien
geschah, deren Verwilderung wieder den Hugenotten Anlass
zu ihrem Auftreten gab. Don Fernando’s Sohn, Don Alfonso II.,
der dann aus Furcht vor dem neapolitanischen Adel wie
vor Franzosen sich nach Sicilien flüchtete und das Kleid eines
Olivetanermönches nahm, galt als ein Fürst, der mit den i
Vorschriften des Glaubens offen gebrochen hatte. 3 Unglück,
1 Franc. Trinchera, eodice Aragonese II, 2. Depesche vorn 7. Juni 1493.
2 Commines, Mein, libre VII, p. 659. Cologue 1659,
3 Commines 1. c.