Rio roman. Welt und ihr VerhtLltniss zu den Reformideon des Mittelalters. 469
stündlich. 1 Auch die Borgias hatten sich italienisirt. Es wäre
unrecht, von diesen Päpsten zu sagen, sie hätten der edleren Richtung
ihrer Zeit den Rücken gekehrt. Nach der kurzen Regierung
Calixts III., 1455—1458, welcher dem Nepotismus mehr als billig
gehuldigt, suchte Pius II. die gelehrtesten Männer aller Nationen
um sich zu versammeln und durch das Collegium der zweiundsiebzig
Abbreviatoren Rom zum Mittelpunkt der Wissenschaft zu
machen. Selbst vom Gürtel an lahm und immer eines Tragstuhles
bedürftig, konnten alle physischen Leiden das Feuer seines
Geistes nicht erlöschen. Er wollte selbst sich an die Spitze eines
grossen Kreuzzuges stellen und, wäre auf seine verkommene
Zeit durch Reden, Briefe und Vorstellungen einzuwirken möglich
gewesen, wäre sie Gründen und dem Feuer der Beredtsamkeit
zugänglich gewesen, der lahme Papst hätte, wie einst Tyrtäus
die Spartaner, so sein selbstsüchtiges Jahrhundert mit sich fortgerissen.
Der Venetianer Paul II., 1464—1471, welchen Platina
und Calimachus in sehr verdunkelter Gestalt der Nachwelt
überlieferten, hob die römische Universität, beschränkte
aber jene literarische Richtung, die bereits sich mit der Religion
in Zwiespalt gesetzt hatte. 2 Endlich kam mit Sixtus IV.
nicht blos ein Freund der Literatur, sondern gleich Pius II.
ein Gelehrter und mehr als dieses ein Beförderer der Kunst
und alles edleren Strebens, das Rom Glanz verleihen konnte,
auf den päpstlichen Thron (1471—1484), so dass man sagen
konnte, dass wohl niemals so viele Männer von Geist und
Bildung in einer Stadt zu gemeinsamem Wirken vereinigt
waren, als von dieser Zeit an in Rom bis zu Clemens VII.
und dem entsetzlichen Sacco di Roma (1527). Einem sinnvollen
Geschlechte öffnete jetzt allmälig auch die römische Erde
ihre Grüfte und was sie Jahrhunderte hindurch den Blicken einer
unverständigen Menge vorsichtig entzogen, spendete sie jetzt
' Seit Italien selbst diese Grundlage des italienischen Papstthums zerstörte,
hat es allen und jeden Anspruch auf ausschliesslich italienische Päpste
. zu seinem eigenen Schaden zerstört.
2 Humanitatis studia, heisst es von ihm, als er einzulenken suchte, ita oderat
et contemnebat ut ejus studiosos uno nomine haereticos appellaret. Hane
ob rem Romanos adhortabatur, ne filios diutius in studiis literarum versari
paterentur, satis esse si legere et scribere didieissent. Cod. lat. B. R.
Monac. 15t, f. 115.
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