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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 91. Band, (Jahrgang 1878)

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Hö  f  1  er.

Die  Aufrichtung  des  Kirchenstaates  als  solcher  war,  nachdem
sich  der  römische  Kaiser  mehr  und  mehr  von  Italien  zurückgezogen ­
  und  genug  zu  thun  hatte,  wollte  er  sich  den  deutschen
Fürsten  gegenüber  als  Reichsoberhaupt  erhalten,  ebenso  in  Betreff ­
  Italiens  eine  Nothwendigkeit  geworden  als  in  Bezug  auf
die  allgemeine  Lage  der  Christenheit,  und  der  kleine  Kirchenstaat ­
  hat,  seit  die  italiünische  Halbinsel  Grenzland  gegen  die
Türkei  und  ein  Hauptbollwerk  gegen  die  osmanische  Seeherrschaft ­
  wurde,  für  die  Zurückweisung  der  Osmanen  mehr  gethan
als  sehr  grosse  Länder  Europas.  Allein  gerade  die  Wiederaufrichtung ­
  des  Kirchenstaates  zu  einer  Zeit,  als  es  keine  mailändische ­
  Republik  gab,  sondern  in  dem  einst  so  freiheitsdurstigen
Staat  das  Haus  Sforza  dem  tyrannischen  Hause  der  Visconti
nachfolgte,  in  Florenz  die  Mediceer  das  Principat  erlangten
und  in  Neapel  eine  Nebenlinie  des  aragonesischen  Königshauses
herrschte,  brachte  auch  von  selbst  mit  sich,  dass  die  Päpste
sich  mehr  und  mehr  als  Fürsten  fühlten  und  schon  zur  Erhaltung ­
  ihrer  italienischen  Macht  sich  auf  ihre  Nipoten  stützten,
als  auf  diejenigen,  welchen  sie  selbst  in  der  allgemeinen  Unsicherheit ­
  am  ehesten  sich  vertrauen  konnten,  bei  mehr  wie
Einem  zuletzt  der  Fürst  und  die  Förderung  des  landesfürstlichen
und  persönlichen  Interesses  den  Papst  und  dessen  Aufgabe
verdrängten.  So  entstand  in  der  zweiten  Hälfte  des  fünfzehnten
Jahrhunderts  ein  Streit  um  Interessen,  welche,  so  lange  die
Concilienbewegung  angedauert  hatte,  in  gleicher  Weise  nicht
in  den  Vordergrund  getreten  waren,  ja  vor  der  allgemeinen
Richtung  sich  zurückziehen  mussten  und  die  Geschichte  des
Papsttlmms  selbst  verwebt  sich  nicht  blos  mit  den  territorialen
Streitigkeiten  Italiens,  sondern  auch  mit  den  Bestrebungen,
die  Häuser  Borgia  (Oalixt  III.  und  Alexander  VI.),  Piccolomini ­
  (Pius  II.  und  III.),  Rovere  (Sixtus  IV.  und  Julius  II.),
Cibct  (Innocenz  VIII.)  gross  zu  machen,  bis  endlich  das
Haus  Medici  (Leo  X.  und  Clemens  VII.)  alle  anderen  überstrahlte ­
  und  eine  bleibende  Macht  in  Mittelitalien  begründete.
Die  deutschen  Päpste  waren  längst  verschwunden,  von  französischen ­
  war  seit  der  avignonesischen  Zeit  und  dem  Schisma
keine  Rede,  nur  zwei  Spanier,  die  Borgias,  machten  sich  bemerklich.
  Seit  der  Papst  italienischer  Fürst  geworden  war,
schien  der  Ausschluss  von  Nichtitalienern  selbstver-
            
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