mächtig davon ergriffen wurde, auch auf diesem Gebiete ein
grossartiger Aufschwung sich zeigte, der dann wieder Hand in
Hand ging mit einem tieferen Verständnisse der Alten, ihrer
Philosophie, Poesie und Geschichte nicht minder als der monumentalen
und sonstigen Reste antiker Kunst. Das Ansehen
und die Macht der römischen Kirche, meinte sterbend Papst
Nicolaus V., könnten die Gelehrten aus den Büchern ersehen,
den Ungelehrten aber müsse dieses durch grosse Bauten als
dauernde und gleichsam von Gott errichtete Denkmäler zur
Anschauung kommen und durch alle Geschlechter eingeprägt
werden. Nichts schien ihm nothwendiger, als eine neue Bibelübersetzuug
mit Benützung des hebräischen und griechischen
Urtextes. Es liegt in der Natur der menschlichen Erkenntniss,
dass Eine tiefgehende Erörterung hunderte von anderen nach
sich zieht, Ein Zweig der Wissenschaft nicht sich ihrer Gesetze
wie ihrer Aufgabe bewusst werden kann, ohne nicht auch
auf verwandte wie auf entfernte Richtungen belebend und umgestaltend
einzuwirken. Wenn auch die Kürze des Pontificates
der Päpste jener Tage — und die Regierung K. Friedrichs III.
von 1440 bis 1493 sah nicht weniger als acht Päpste ■— die
Verschiedenheit ihrer Anschauungen und Politik, endlich der
fortwährende Kampf um das Dasein, welcher seit der Eroberung
von Constantinopel durch die Osmanen geführt w r erden musste,
die Erneuerung der Kreuzzüge auf europäischem Boden, eine
ununterbrochene und consequente Fortführung der von Nicolaus
V. eingeschlagenen Richtung theils nicht ermöglichten,
theils zurückwiesen, so trugen doch beinahe hundert Jahre der
Papstgeschichte vorwiegend das Gepräge, das Nicolaus V.
seiner Zeit gegeben. Der Umsturz der südslavischen Reiche,
welcher der Eroberung von Constantinopel theils voranging,
theils nachfolgte, die Moslemisirung Bosniens, ein in der Geschichte
europäischer Reiche vereinzelt stehendes Ereigniss,
die Ausdehnung der osmanischen Herrschaft über Trapezunt
wie über Griechenland, die Bedrohung der italischen Küsten
und der Donauländer, brachten eine unerhörte Spannung hervor
und bewirkten zunächst, dass an Herstellung einer grösseren
Einheit unter den Fürsten und Völkern wie an Stärkung der
päpstlichen Macht gearbeitet wurde, eine mehr äusserliche und
weltliche Richtung eine Art von Nothwendigkeit wurde.
Sitzungsber. d. pliil.-hist. CI. XCI. Bd. II. Hft. 31
I