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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 91. Band, (Jahrgang 1878)

mächtig  davon  ergriffen  wurde,  auch  auf  diesem  Gebiete  ein
grossartiger  Aufschwung  sich  zeigte,  der  dann  wieder  Hand  in
Hand  ging  mit  einem  tieferen  Verständnisse  der  Alten,  ihrer
Philosophie,  Poesie  und  Geschichte  nicht  minder  als  der  monumentalen ­
  und  sonstigen  Reste  antiker  Kunst.  Das  Ansehen
und  die  Macht  der  römischen  Kirche,  meinte  sterbend  Papst
Nicolaus  V.,  könnten  die  Gelehrten  aus  den  Büchern  ersehen,
den  Ungelehrten  aber  müsse  dieses  durch  grosse  Bauten  als
dauernde  und  gleichsam  von  Gott  errichtete  Denkmäler  zur
Anschauung  kommen  und  durch  alle  Geschlechter  eingeprägt
werden.  Nichts  schien  ihm  nothwendiger,  als  eine  neue  Bibelübersetzuug
  mit  Benützung  des  hebräischen  und  griechischen
Urtextes.  Es  liegt  in  der  Natur  der  menschlichen  Erkenntniss,
dass  Eine  tiefgehende  Erörterung  hunderte  von  anderen  nach
sich  zieht,  Ein  Zweig  der  Wissenschaft  nicht  sich  ihrer  Gesetze ­
  wie  ihrer  Aufgabe  bewusst  werden  kann,  ohne  nicht  auch
auf  verwandte  wie  auf  entfernte  Richtungen  belebend  und  umgestaltend ­
  einzuwirken.  Wenn  auch  die  Kürze  des  Pontificates
der  Päpste  jener  Tage  —  und  die  Regierung  K.  Friedrichs  III.
von  1440  bis  1493  sah  nicht  weniger  als  acht  Päpste  ■—  die
Verschiedenheit  ihrer  Anschauungen  und  Politik,  endlich  der
fortwährende  Kampf  um  das  Dasein,  welcher  seit  der  Eroberung
von  Constantinopel  durch  die  Osmanen  geführt  w r erden  musste,
die  Erneuerung  der  Kreuzzüge  auf  europäischem  Boden,  eine
ununterbrochene  und  consequente  Fortführung  der  von  Nicolaus ­
  V.  eingeschlagenen  Richtung  theils  nicht  ermöglichten,
theils  zurückwiesen,  so  trugen  doch  beinahe  hundert  Jahre  der
Papstgeschichte  vorwiegend  das  Gepräge,  das  Nicolaus  V.
seiner  Zeit  gegeben.  Der  Umsturz  der  südslavischen  Reiche,
welcher  der  Eroberung  von  Constantinopel  theils  voranging,
theils  nachfolgte,  die  Moslemisirung  Bosniens,  ein  in  der  Geschichte ­
  europäischer  Reiche  vereinzelt  stehendes  Ereigniss,
die  Ausdehnung  der  osmanischen  Herrschaft  über  Trapezunt
wie  über  Griechenland,  die  Bedrohung  der  italischen  Küsten
und  der  Donauländer,  brachten  eine  unerhörte  Spannung  hervor
und  bewirkten  zunächst,  dass  an  Herstellung  einer  grösseren
Einheit  unter  den  Fürsten  und  Völkern  wie  an  Stärkung  der
päpstlichen  Macht  gearbeitet  wurde,  eine  mehr  äusserliche  und
weltliche  Richtung  eine  Art  von  Nothwendigkeit  wurde.
Sitzungsber.  d.  pliil.-hist.  CI.  XCI.  Bd.  II.  Hft.  31

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