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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 91. Band, (Jahrgang 1878)

Die  roman.  Welt  und  ihr  Verhältnisa  zu  (len  Reforraideen  des  Mittelalters.  4()5

römischen  Kirche  erfolgt  war,  musste  zu  ihrer  Besiegelung
noch  ein  Schritt  geschehen.  Lange  genug  war  die  griechische
Nation  von  dem  Papstthume  ausgeschlossen  worden.  Sie  hatte
freilich  dafür  die  Patriarchate  erlangt  und  diese  in  die  Hände
der  Araber,  der  Moslitn  wie  der  Schismatiker  gelegt  und  jetzt
stand  sie  auf  dem  Punkte,  dasselbe  mit  dem  Patriarchate  von
Constantinopel  zu  thun,  das  1453  der  Verfügung  der  Osmanen
verfiel.  Aber  jedenfalls  wäre  es  ein  Schritt  von  unberechenbarer ­
  Tragweite  gewesen,  wenn  um  die  Mitte  des  fünfzehnten
Jahrhunderts  ein  Grieche  den  römischen  Stuhl  bestiegen  hätte.
Und  in  der  That  wurde  diese  so  wichtige  Frage  nach  dem
Tode  Papst  Nicolaus  V.  1  im  Conclave  erörtert  und  stand  die
Wahl  des  gelehrten  Griechen  Bessarion,  Cardinais  von  Nicäa,
durchaus  nicht  in  entlegener  Ferne.  Nur  die  leidenschaftliche
Opposition  des  Cardinais  von  Avinion,  Alanus,  bewirkte,  dass
die  Partei  unterlag,  die  Bessarion’s  Pontificat  betrieb. 2  Statt
seiner  wurde  der  Valencianer  Alfonso  (Calixt  III.)  Papst,
8.  April;  statt  den  Schwerpunkt  nach  dem  Osten  zu  legen,  trat
jetzt  erst  die  volle  Entfaltung  Italiens,  der  occidentalen  Kunst
und  Wissenschaft,  die  glänzende  Entwicklung  der  romanischen
Völker  wie  des  römischen  Pontificates  selbst  als  italienisches
Fürstenthum  hervor.  Wurde  doch,  als  die  Eroberung  Griechenlands ­
  der  von  Constantinopel  nachfolgte,  Italien,  das  christliche
Vorland  gegen  die  Osmanenherrschaft,  ja  unmittelbar  von
dieser  bedroht.  Bei  der  Säbelumgürtung  eines  neuen  Padischah’s
  der  Osmanen  ertönte  von  diesem  regelmässig  ein  Zuruf ­
  an  die  Janitscharen,  der  auf  die  Eroberung  Roms  als
das  Ziel  osmanischer  Politik  hinwies!  —  Es  trat  in  die  erste
Kampfeslinie  ein,  wie  das  im  neunten  Jahrhunderte  der  Fall
gewesen  war.

1  24.  März  1455.
2  Qui  cum  una  nocte  constanti  multorum  opinione  pontifex  liabitus  esset,
adveniento  luee  Cardinalem  se  se  reperit.  Commentav.  Pii  II.  Cod.  Bibi.
Eeg.  Monac.  151,  f.  G7.  Als  später,  nach  dem  Tode  Papst  Paul  II.
der  Cardinal  Orsini  im  Vereine  mit  dem  von  Mantua  dem  Cardinal
Bessarion  das  Pontificat  antrug,  wenn  er  auf  die  von  ihnen  gestellten
Bedingungen  eingehen  wolle,  hatte  der  greise  Cardinal  den  Muth  der
Tugend,  zu  erklären,  dass  er  nicht  in  Kraft  eines  Privatvertrages  Papst
werden  wolle.  1.  c.  f.  117.
            
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