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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 91. Band, (Jahrgang 1878)

Die  roman.  Welt  und  ihr  Verhältnis»  zu  den  Reformideen  des  Mittelalters.  459

von  Oesterreich  gebar  eine  Tochter,  welche  1498  starb.  Am
29.  April  desselben  Jahres  wurde  der  Königin  Isabella  von
Portugal  als  Erbin  ihrer  Mutter  in  Castilien,  Leon  und  Granada ­
  gehuldigt  und  ebenso  ihrem  Gemahl.  In  Saragossa  sollte
die  Prinzessin  von  Asturien  auch  als  Prinzessin  von  Girona
anerkannt  werden,  als  die  Cortes  zögerten  die  weibliche  Erbfolge
in  Aragon  zuzulassen.  Schon  meinte  Königin  Isabella  (die
Mutter),  es  sei  besser  Aragon  mit  dem  Schwerte  zu  erobern,
als  sich  vor  den  Cortes  zu  beugen,  als  die  Königin  von  Portugal ­
  am  23.  August  1498  einen  Sohn  (Don  Miguel)  gebar,
aber  eine  Stunde  darauf  starb.  Dadurch  war  der  Streit  über
die  Erbfolge  beseitigt,  der  Prinz  wurde  allgemein  als  Thronfolger ­
  anerkannt  und  die  drei  Reiche  Portugal,  Castilien,  Aragon ­
  hatten  ihren  gemeinsamen  Erben;  was  so  lange  Zeit  getrennt ­
  und  feindlich  einander  gegenüber  gestanden  war,  schien
endlich  in  die  Union  der  Völker  und  Staaten  überzugehen.
Da  starb  zweiundzwanzig  Monate  nach  seiner  Mutter,  der
jüngeren  Isabella,  ihr  schwächlicher  Sohn  Don  Miguel,  20.  April
1500,  und  die  gehoffte  Vereinigung  zerfloss  wie  ein  Abendschimmer. ­
  Es  war  dieses  zwei  Tage  vor  der  Verlobung  Don
Manuels  mit  seiner  Schwägerin,  der  Infantin  Donna  Maria,
deren  Kinder  aber  nur  in  Portugal  erbberechtigt  waren,  da
ihre  ältere  Schwester  Donna  Juana,  Gemahlin  des  Erzherzogs
Philipp,  Herzogs  von  Burgund,  am  Matthäustage  (24.  Februar
1500)  bereits  einen  Sohn,  Karl  Herzog  von  Luxemburg,  geboren ­
  hatte.  Das  Loos  ist  auf  Matthäus  gefallen,  sagte  die
Grossmutter,  als  sie  von  der  Geburt  ihres  Enkels  hörte,  der
seinen  Namen  nach  dem  Vater  seiner  Grossmutter  Maria  von
Burgund,  Karl  dem  Kühnen  erhielt.  Er,  K.  Karl  I.  als  Kaiser
der  Fünfte,  vereinigte  die  Kronen  von  Castilien-Leon-Navarra-Granada
  mit  denen  von  Aragon-Sicilien  und  des  deutschen
Reiches,  der  habsburgischen  und  burgundischen  Länder.  Er
besass  eine  Weltmacht,  wie  das  Mittelalter  und  die  antike  Geschichte ­
  ihres  Gleichen  nicht  erblickt  und  deren  Bedeutung
dadurch  nicht  geringer  wird,  dass  confessionelle  Beschränktheit
oder  dynastischer  Servilismus  daran  mäkeln  und  sie  zu  verkleinern ­
  suchen.
            
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