leben müssen, dann wurden sie aus Andalusien vertrieben,
hierauf wurden in Aragon ihre Güter sequestrirt. Vom 31. Juli
an durfte Niemand mit ihnen in Verkehr treten. Afrika erhielt
durch sie eine neue Bevölkerung. Nach Neapel brachten die
Flüchtlinge die Pest, an der 20.000 Menschen starben. Als sich
80.000 nach Portugal geflüchtet hatten, fanden dort seit 1496
Berathungen über ihre Vertreibung statt. Es hiess, sie theilten
den Feinden des Staates dessen Geheimnisse mit; man besorgte,
sie möchten sich in den Besitz aller Güter setzen.
Man beschloss endlich 1497 ihre Vertreibung. Alle welche sich
nicht taufen liessen, sollten Portugal meiden, aber ihre Kinder
unter vierzehn Jahren zurücklassen. 1 Die Maassregeln wegen
ihrer Deportation wurden willkürlich geändert, endlich als sie
in Lissabon zusammengeströmt waren, ihnen keine Wahl gelassen
als Sklaverei oder Taufe. Da man in Bezug auf die
Christen in Afrika Repressalien fürchtete, wurden die Mauren
in Spanien besser behandelt als die Juden. Ihr Schicksal, das
Unmaass von Jammer und Elend, das sich über sie ergoss,
spottet jeder Beschreibung. Der lange Kampf zwischen Westgothen
und Juden, Japhetiden und Semiten, kam dadurch zu
Ende. Landstriche verödeten. Rechtsgefühl und Mitleid hörten
auf. Wo Ueberredung nicht ausgab, half der Kerker. Weinen,
Wehklagen, Fluch und Verwünschung erfüllten Spanien und
Portugal. Aber dem Nationalhasse war Genüge geleistet. Es
gab auf der iberischen Halbinsel keine Juden mehr. Als sich
Kryptojuden (Marranos) nach Rom flüchteten, verlangte nach
Stephan Infessura K. Ferdinand (1493) von Papst Alexander
ihre Vertreibung aus dem Kirchenstaate. Sie glichen dem gehetzten
Wilde. War doch die Prinzessin Isabella überzeugt,
dass das traurige Schicksal, das den Infanten Don Affonso
ihren Verlobten getroffen, von ihm dadurch veranlasst worden
sei, dass er die Ketzer geduldet. Sie reichte Don Manuel nicht
früher ihre Hand, als nachdem sie sich von dem Gegentheile
versichert. Während der Verlobungsfestlichkeiten mit K. Manuel
starb aber ihr Bruder Don Juan nach kaum dreizehntägiger
Krankheit, 4. October 1497. Seine Gemahlin Margaretha
1 Osorius c. 12, 13.
2 (Jurita, Hiat. III, c. 6.