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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 91. Band, (Jahrgang 1878)

leben  müssen,  dann  wurden  sie  aus  Andalusien  vertrieben,
hierauf  wurden  in  Aragon  ihre  Güter  sequestrirt.  Vom  31.  Juli
an  durfte  Niemand  mit  ihnen  in  Verkehr  treten.  Afrika  erhielt
durch  sie  eine  neue  Bevölkerung.  Nach  Neapel  brachten  die
Flüchtlinge  die  Pest,  an  der  20.000  Menschen  starben.  Als  sich
80.000  nach  Portugal  geflüchtet  hatten,  fanden  dort  seit  1496
Berathungen  über  ihre  Vertreibung  statt.  Es  hiess,  sie  theilten
den  Feinden  des  Staates  dessen  Geheimnisse  mit;  man  besorgte, ­
  sie  möchten  sich  in  den  Besitz  aller  Güter  setzen.
Man  beschloss  endlich  1497  ihre  Vertreibung.  Alle  welche  sich
nicht  taufen  liessen,  sollten  Portugal  meiden,  aber  ihre  Kinder
unter  vierzehn  Jahren  zurücklassen. 1  Die  Maassregeln  wegen
ihrer  Deportation  wurden  willkürlich  geändert,  endlich  als  sie
in  Lissabon  zusammengeströmt  waren,  ihnen  keine  Wahl  gelassen ­
  als  Sklaverei  oder  Taufe.  Da  man  in  Bezug  auf  die
Christen  in  Afrika  Repressalien  fürchtete,  wurden  die  Mauren
in  Spanien  besser  behandelt  als  die  Juden.  Ihr  Schicksal,  das
Unmaass  von  Jammer  und  Elend,  das  sich  über  sie  ergoss,
spottet  jeder  Beschreibung.  Der  lange  Kampf  zwischen  Westgothen ­
  und  Juden,  Japhetiden  und  Semiten,  kam  dadurch  zu
Ende.  Landstriche  verödeten.  Rechtsgefühl  und  Mitleid  hörten
auf.  Wo  Ueberredung  nicht  ausgab,  half  der  Kerker.  Weinen,
Wehklagen,  Fluch  und  Verwünschung  erfüllten  Spanien  und
Portugal.  Aber  dem  Nationalhasse  war  Genüge  geleistet.  Es
gab  auf  der  iberischen  Halbinsel  keine  Juden  mehr.  Als  sich
Kryptojuden  (Marranos)  nach  Rom  flüchteten,  verlangte  nach
Stephan  Infessura  K.  Ferdinand  (1493)  von  Papst  Alexander
ihre  Vertreibung  aus  dem  Kirchenstaate.  Sie  glichen  dem  gehetzten ­
  Wilde.  War  doch  die  Prinzessin  Isabella  überzeugt,
dass  das  traurige  Schicksal,  das  den  Infanten  Don  Affonso
ihren  Verlobten  getroffen,  von  ihm  dadurch  veranlasst  worden
sei,  dass  er  die  Ketzer  geduldet.  Sie  reichte  Don  Manuel  nicht
früher  ihre  Hand,  als  nachdem  sie  sich  von  dem  Gegentheile
versichert.  Während  der  Verlobungsfestlichkeiten  mit  K.  Manuel ­
  starb  aber  ihr  Bruder  Don  Juan  nach  kaum  dreizehntägiger
  Krankheit,  4.  October  1497.  Seine  Gemahlin  Margaretha

1  Osorius  c.  12,  13.
2  (Jurita,  Hiat.  III,  c.  6.
            
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