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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 91. Band, (Jahrgang 1878)

Die  romau.  Welt  und  ihr  Verhältniss  zu  den  Roformideen  des  Mittelaltern.  457

am  Horizonte  von  Palos  eines  der  Schiffe,  das  heimkehrend
nach  Palos  steuerte.  Das  Unglaubliche  war  wahr  geworden.
Der  Almirante  Christoval  Colon  kehrte  zurück.  Sogleich  ertönten ­
  die  Glocken,  das  Volk  eilte  an  die  Küste,  in  Jubel
wurde  der  Sieger  über  die  Schrecknisse  des  Oceans  in  die
grosse  Kirche  geführt.  Von  da  trat  er  durch  das  frohlockende
Spanien  die  Reise  nach  Barcelona  an,  dem  Könige  und  der
Königin  selbst  von  dem  Erlebten  Bericht  zu  erstatten.  Am
25.  September  1493  segelte  er  mit  einer  kleinen  Flotte  ab,
das  Goldland  Cihao  aufzusuchen.  Er  vermochte  bereits  im  Berichte ­
  über  seine  zweite  Reise  zu  sagen,  gewiss  könnten  sich
Ferdinand  und  Isabella  für  die  glücklichsten  und  reichsten
Fürsten  der  Welt  halten,  da  solche  Dinge  bisher  weder  gesehen
noch  gelesen  worden  waren.  Man  könne  glauben,  er  übertreibe;
er  aber  rufe  Gott  zum  Zeugen  der  Wahrheit  auf. 1  Als  jetzt
auch  die  Portugiesen  sich  aufmachten  an  der  Küste  von  Afrika
vorüber  nach  Indien  zu  dringen,  war  bald  die  denkwürdigste
Entscheidung  nothwendig  geworden,  die  die  Welt  gesehen  hat:
eine  Grenzlinie  durch  den  Ocean  zu  ziehen,  um  zwischen  den
Entdeckungen  der  Portugiesen  und  Spanier  eine  Scheidung  der
Gebiete  zu  bezeichnen.  Es  war  ein  Spanier,  der  dieses  that,
Papst  Alexander  VI.  Für  K.  Ferdinand  war  die  Eroberung
des  Königreichs  Granada,  das  wie  später  das  Königreich  Navarra
zu  Castilien  geschlagen  wurde,  eine  Aufforderung,  rastlos  an
Wiedererlangung  alles  dessen  zu  arbeiten,  was  der  Krone  im
Osten  entfremdet  worden  war,  Roussillons  und  der  Grafschaft
Cerdegna  ebenso  wie  was  im  Innern  einst  der  Krone  gehört
hatte;  'für  die  Königin  aber,  an  Herstellung'  der  Einheit  des
Glaubens  zu  arbeiten.  Am  31.  März  1492  erfolgte  der  Befehl,
alle  Juden,  welche  sich  nicht  taufen  lassen  wollen,  sollten  bei
Todesstrafe  bis  zum  31.  Juli,  d.  h.  binnen  vier  Monaten,  Spanien ­
  verlassen.  An  30.000  Familien  verliessen  ihre  Heimath,
ihre  Häuser  und  Gärten,  ihre  Friedhöfe,  alles  was  sie  «eit
Jahrhunderten  Theures  besassen,  wanderten  aus  und  erfüllten
Afrika,  Italien,  Portugal  mit  ihrem  Jammer  und  ihrem  Elende.
Es  war  System  in  der  Verfolgung.  Erst  hatten  die  Juden  nach
den  Verfügungen  des  Concils  von  Toledo  in  eigenen  Quartieren

1  Navaretta  I,  p.  372.
            
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