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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 91. Band, (Jahrgang 1878)

Die  roman.  Welt  und  ihr  Vcrhältniss  zu  den  Reformideen  dos  Mittelalters.  451
Hand  in  Hand  mit  dieser  Concentrirung  der  Gewalten
ging  eine  andere  Maassregel,  welche  dem  königlichen  Ansehen
ungemessenen  Spielraum  eröffnete.  Der  Kampf  der  spanischchristlichen ­
  Bevölkerung  mit  den  Juden  ist  mindestens  so  alt
als  die  westgothische  Niederlassung  in  den  spanischen  Provinzen ­
  Roms.  Der  Gegensatz  zwischen  beiden  Nationen  war,  als
die  beiden  Hauptreiche  durch  eine  Personalunion  vereinigt
worden,  schärfer  geworden,  seit  die  massenhaften  Judenbekehrungen ­
  unter  Vincenz  Ferrer  einerseits  die  Meinung  hervorgerufen, ­
  dass  nur  Eigensinn,  nicht  innere  Gründe  die  Juden
von  dem  Uebertritte  abhielten,  andererseits  die  Bekehrung  so
vieler  und  selbst  ungeachtet  des  Umstandes,  dass  Personen
von  jüdischer  Abkunft  Bischöfe  wurden  1  nicht  den  Verdacht
beseitigte,  dass  die  Bekehrung  keine  aufrichtige  gewesen  sei.
Doch  war  selbst,  als  die  öffentliche  Meinung  Maassregeln  gegen
schlechte  und  verdächtige  Christen  verlangte,  die  Untersuchung
über  diese  den  Erzbischöfen  und  Bischöfen  zugewendet.  Man
war  aber  von  Seite  dieser  nicht  gewillt,  zu  strengen  Maassregeln
zu  greifen,  vielmehr  wurde  durch  Verbreitung  von  Büchern
auf  ihre  Bekehrung  hingearbeitet,  als,  nachdem  bereits  versucht ­
  worden  war,  die  Königin  für  die  Errichtung  eines  eigenen
Tribunales  zu  gewinnen,  das  die  Neuchristen  bestrafen  sollte,
die  judäisirten,  ein  fanatischer  Rabbi  eine  Schrift  gegen  das
Christenthum  erscheinen  liess,  die  wie  eine  Brandfackel  wirkte,
1480.  Es  handelte  sich  jetzt  darum,  bei  Papst  Sixtus  IV.
unter  den  ganz  ausserordentlichen  Zuständen  die  Erlaubniss  zu
erwirken,  dass  zur  Untersuchung  und  Bestrafung  der  Ketzer
zwei  Geistliche  nach  eigener  Wahl  ernannt  werden  sollten.

vor  einem  der  Krone  gefährlichen  Ansehen  seiner  Unterthanen  ging  selbst
so  weit,  dass  er  gar  nicht  wünschte,  dass  Spanier  Cardinäle  wurden,
damit  sie  nicht  eine  von  ihm  unabhängige  Macht  erlangten.  Tenia  por
grande  inconveniente  que  se  admitiesen  a  aquella  dignidad  (das  Cardinalat)
  ad  personas  naturales  del  reyno  mayormente  de  las  casas  principales
  de  barones  pero  era  difficultoso  impidido  concurriendo  denaro.
(IX,  c.  58  ad  ann.  1512).
1  Pulgar  de  los  claros  varones,  Tit.  XVIII,  XXII—-XXIV,  führt  den  Cardinal ­
  von  San  Sisto,  den  Bischof  von  Burgos,  der,  selbst  Sohn  eines
Bischofs,  erst  in  späteren  Tagen  geistlich  geworden  war,  den  Bischof
von  Corio  an.
Sitzungaber.  d.  phil.-liist.  CI.  SCI.  Bd.  II.  Hft.

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