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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 91. Band, (Jahrgang 1878)

Die  roraan.  Welt  und  ihr  VerbältnisB  zu  den  Reformideen  des  Mittelalters.  445

die  Christianisirung  Afrikas,  vor  Allem  Congos  hatte  begonnen,
der  Gedanke,  den  Seeweg  nach  Ostindien  zu  finden,  hatte  seit.
Bartolomeo  Diaz  das  Vorgebirge  der  guten  Hoffnung  entdeckt,
neue  Nahrung  gefunden,  als,  von  den  Portugiesen  verschmäht,
Christof  Colon  den  Castilianern  das  Uebergewicht  durch  seine
Entdeckungen  verschaffte,  und  nun  der  Streit  über  den  Ocean,
dessen  Inseln  und  Küstenländer  zwischen  den  von  Anfang  an
im  grössten  Hader  befindlichen  Nachbarmonarchien  ausbrach.
So  viele  Verträge  auch  Ende  des  fünfzehnten,  Anfang
des  sechszehnten  Jahrhunderts  abgeschlossen  wurden,  als  Italien
der  Schauplatz  des  grossen  Ringens  europäischer  Mächte  geworden ­
  war,  keiner  kam  an  Grossartigkeit  und  welthistorischer
Bedeutung  dem  von  Tordesillas,  7.  Juni  1494,  gleich,  als  die
Weltkugel  in  zwei  Hälften  getheilt  und  die  westliche  den
Castilianern,  die  östliche  den  Portugiesen  zugewiesen  wurde.
Bereits  entschied  bei  den  Entdeckungen  nicht  mehr  die  Kühnheit ­
  der  Seefahrer,  sondern  die  mathematische  Berechnung
und  gesellte  sich  zum  Aufschwünge  der  philologischen  und
philosophischen  Wissenschaften  der  Zeit  auch  der  der  Mathematik, ­
  der  Nautik,  der  Geographie,  der  Naturwissenschaften.
Was  glänzend  und  grossartig  unter  K.  Joao  II.  begonnen
worden  war,  die  Anwendung  des  Astrolabiums  auf  die  Schifffahrt, ­
  die  Ausdehnung  derselben,  nach  Südostafrika,  das  Eindringen ­
  in  fremde  Meere,  die  Erschliessung  unbekannter  Continente
  findet  dann  den  höchsten  Triumph  unter  K.  Manuel,
als  Vasco  de  Gama  1498  über  Mosambique  nach  Calicut  drang,
Ostindien  mit  Portugal  verband  und  Lisboa  der  grosse  Stapelplatz ­
  des  Welthandels  für  Gewürze  und  Specereien  wurde,
Pedro  Alvares  Cabral  Brasilien  entdeckte,  Manuel  bereits  Herr
von  Guinea,  nun  auch  Herr  der  Schifffahrt,  Eroberung  und
des  Handels  von  Aethiopien,  Arabien,  Persien  und  Indien
wurde. 1
Ein  neuer  grossartiger  Kampf  begann  mit  den  Mauren  in
den  indischen  Gewässern.  Francisco  d’Alboquerque  legte  am
27.  September  1503  den  Grund  zur  Feste  Sant  Jago, 2  womit
die  Portugiesen  festen  Fuss  in  Indien  fassten,  und  nun  begann

1  Schreiben  Manuels  an  Papst  Leo  X.  bei  lioscoe  II,  Urkd.  XY.
2  Schäfer  III,  Ö.  191.
            
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