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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 91. Band, (Jahrgang 1878)

Die  romau.  AVelt  und  ihr  Verhältnis«  zu  den  Reformideen  des  Mittelalters.  443

demzufolge  alle  ehemaligen  Krongüter  unveräusserlich  seien
und  der  Krone  anheimfallen  sollten, 1  durch  die  Vermählung
der  Erbin  der  Bretagne  mit  K.  Karl  VIII.  und  dann  mit  König
Ludwig  XII.  Frankreichs  Territorialabschluss  erfolgte,  war
eine  staatliche  Einheit  begründet,  die  nur  noch  des  Bündnisses
mit  den  Osmanen  bedurfte  und  es  konnte  das  Königreich  das
übrige  Europa  in  Schach  halten.  Das  aber  charakterisirte  eben
die  moderne  Zeit  und  das  moderne  Frankreich  im  Gegensätze
zu  dem  Ludwigs  VII.  und  Ludwigs  IX.,  dass  der  allerchristlichste ­
  König  kein  Bedenken  trug,  auf  diesen  unnatürlichen
und  scheusslichen  Bund  die  politische  Grösse  Frankreichs  zu
begründen.  Als  ob  dieses  nothwendig  gewesen  wäre!
Das  päpstliche  Zinskönigreich  Portugal  hatte  sich  zwar
unter  den  sieben  Königen  der  burgundischen  Dynastie  durch
die  Eroberung  des  Königreiches  Algarve  und  seine  Befreiung
von  castilianischer  Oberhoheit  territorial  abgeschlossen;  nach
Innen  hin  aber  war  es  nichts  weniger  denn  fertig  geworden,
und  kein  Königreich  hatte  verhältnissmässig  mehr  zu  arbeiten,
seinen  weltlichen  Charakter  zu  wahren  als  dieses.  Römisches,
castilianisches  und  canonisches  Recht,  Ricoshomres  (Adel),
Könige  und  Geistliche  stritten  sich  um  die  Macht,  als  das  Erlöschen ­
  des  echten  burgundischen  Hauses,  das  Emporkommen
des  unechten  durch  den  Grossmeister  des  Ordens  von  Avis,
Johann,  den  unehelichen  Sohn  K.  Pedros  I.,  1385  der  Geschichte
Portugals  eine  neue  Richtung  gab,  das  kurze  Mittelalter  beendete. ­
  Der  grossartige  Gedanke  des  K.  Joao  (Johann),  durch
die  Eroberung  von  Ceuta  einen  Brückenkopf  in  Afrika  zu
erlangen,  dem  portugiesischen  Adel  eine  neue  Siegeslaufbahn
zu  eröffnen  und,  nachdem  sich  Asien  den  christlichen  Völkern
verschlossen,  die  Thore  von  Afrika  aufzusprengen  (21.  August
1415),  veränderte  mit  einem  Schlage  die  ganze  politische  Stellung ­
  Portugals.  Von  K.  Johanns  fünf  Söhnen  setzte  K.  Duarte
den  Kampf  mit  den  Marokkanern  fort,  starb  aber  gebrochenen
Herzens  nach  fünfjähriger  Regierung,  1433—1438,  als  es  ihm
nicht  gelang,  den  jüngsten  der  Brüder,  Don  Fernando,  welcher
in  marokkanische  Gefangenschaft  gefallen  war,  zu  befreien.
Der  Infant  blieb  acht  Jahre  in  qualvollster  Kerkerhaft,  bis

1  Marino  Giustiniano,  relazione  vom  Jahre  1535,  p.  183.
            
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