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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 91. Band, (Jahrgang 1878)

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Hofier.

Frankreich  den  Knaben  Heinrich  VI.,  dem  in  Kraft  des  Vertrages ­
  von  Troyes  die  Nachfolge  in  Frankreich  wie  in  England ­
  zukommen  sollte.  Am  31.  August  1422  starb  aber  sein
Vater,  der  grimme  Heinrich  V.,  so  recht  ein  Mann  von  Blut
und  Eisen,  welcher,  selbst  ohne  Mitleid,  sein  Volk  gelehrt  hatte,
auch  gegen  Dynastien  kein  Mitleid  zu  üben,  auf  dem
Todtenbette  aber  fruchtlos  beweinte,  dass  er  nicht  statt  nach
Frankreich,  nach  Jerusalem  gezogen  war.  Am  22.  Oct.  1422
folgte  ihm  sein  Schwiegervater  Karl  VI.,  des  weisen  Karl  V.,
der  sich  einen  Vicarius  Gottes  in  Frankreich  genannt,  unweiser
Sohn  in  das  Grab  nach  und  nun  wurde-  Heinrich  VI.  zum
Könige  von  Frankreich  und  England  gekrönt,  schien  endlich
der  Enkel  des  Usurpators  Heinrich  von  Lancaster,  des  Mörders
König  Richards  II.,  berufen  zu  sein,  den  langen  Streit  zwischen
den  beiden  grossen  Reichen,  die  das  Aermelmeer  trennt,  für
immer  ein  Ende  zu  machen  und  den  Ausgangspunkt  einer
neuen  Geschichte  zu  bilden.  Der  Dauphin  Karl  als  Karl  VII.
in  Poitiers  gekrönt,  ward  nur  von  neun  Provinzen  (Dauphine,
Languedoc,  Bourbonnais,  Auvergne,  Poitou,  Saintonge,  Touraine,
Orleannais  und  Lyonnais) 1  anerkannt  und  als  er  nun  auch  die
Schlachten  von  Crevant  31.  Juli  1423  und  von  Verneuil
17,  August  1424  verlor,  schien  nur  mehr  die  Flucht  nach
Schottland  oder  Spanien  ihm  einen  Ausweg  aus  dem  sonst
sicheren  Verderben  zu  gewähren.
Vergeblich  suchte  Papst  Martin  V.,  der  Karl  VII.  als
rechtmässigen  Thronfolger  anerkannte,  zu  vermitteln.  Bald  war
von  der  Seine  zur  Loire,  von  der  Seine  zur  Somme,  wo  der
Krieg  am  meisten  wüthete,  nur  eine  Wildniss. 2  Damals  (am
13.  Mai  1428)  stellte  sich  in  Vaucouleurs  dem  Herrn  von
Baudricourt  ein  sechszehnjähriges  Mädchen,  die  älteste  Tochter
des  Jacques  d’Arc  und  der  Isabellette  Romee,  (geboren  zu  Domremy
  in  Lothringen  am  6.  Jänner  1412)  vor  und  verhiess  ihm
die  Rettung  Frankreichs.  Sie  erfüllte  ihre  Mission,  befreite
Orleans,  gewann  für  Karl  die  Loirelinie,  führte  ihn  zur  Krönung ­
  nach  Rheims  (17.  Juli),  aber  schon  ein  Jahr  später  war

1  Stevenson,  Letters  and  papers  illustrative  of  the  wars  of  the  Englisli  in
France  1561—64.  f.  XXXV.
2  Stevenson  f.  XXXIX.
            
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