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Hofier.
Frankreich den Knaben Heinrich VI., dem in Kraft des Vertrages
von Troyes die Nachfolge in Frankreich wie in England
zukommen sollte. Am 31. August 1422 starb aber sein
Vater, der grimme Heinrich V., so recht ein Mann von Blut
und Eisen, welcher, selbst ohne Mitleid, sein Volk gelehrt hatte,
auch gegen Dynastien kein Mitleid zu üben, auf dem
Todtenbette aber fruchtlos beweinte, dass er nicht statt nach
Frankreich, nach Jerusalem gezogen war. Am 22. Oct. 1422
folgte ihm sein Schwiegervater Karl VI., des weisen Karl V.,
der sich einen Vicarius Gottes in Frankreich genannt, unweiser
Sohn in das Grab nach und nun wurde- Heinrich VI. zum
Könige von Frankreich und England gekrönt, schien endlich
der Enkel des Usurpators Heinrich von Lancaster, des Mörders
König Richards II., berufen zu sein, den langen Streit zwischen
den beiden grossen Reichen, die das Aermelmeer trennt, für
immer ein Ende zu machen und den Ausgangspunkt einer
neuen Geschichte zu bilden. Der Dauphin Karl als Karl VII.
in Poitiers gekrönt, ward nur von neun Provinzen (Dauphine,
Languedoc, Bourbonnais, Auvergne, Poitou, Saintonge, Touraine,
Orleannais und Lyonnais) 1 anerkannt und als er nun auch die
Schlachten von Crevant 31. Juli 1423 und von Verneuil
17, August 1424 verlor, schien nur mehr die Flucht nach
Schottland oder Spanien ihm einen Ausweg aus dem sonst
sicheren Verderben zu gewähren.
Vergeblich suchte Papst Martin V., der Karl VII. als
rechtmässigen Thronfolger anerkannte, zu vermitteln. Bald war
von der Seine zur Loire, von der Seine zur Somme, wo der
Krieg am meisten wüthete, nur eine Wildniss. 2 Damals (am
13. Mai 1428) stellte sich in Vaucouleurs dem Herrn von
Baudricourt ein sechszehnjähriges Mädchen, die älteste Tochter
des Jacques d’Arc und der Isabellette Romee, (geboren zu Domremy
in Lothringen am 6. Jänner 1412) vor und verhiess ihm
die Rettung Frankreichs. Sie erfüllte ihre Mission, befreite
Orleans, gewann für Karl die Loirelinie, führte ihn zur Krönung
nach Rheims (17. Juli), aber schon ein Jahr später war
1 Stevenson, Letters and papers illustrative of the wars of the Englisli in
France 1561—64. f. XXXV.
2 Stevenson f. XXXIX.