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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 91. Band, (Jahrgang 1878)

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Hofier.

als  Isabellas  gleichnamige  Tochter,  Gemahlin  des  Königs
Manuel  von  Portugal  den  Infanten  Don  Miguel  gebar  und
nun,  da  Don  Juan,  ältester  Sohn  Don  Fernandos  und  der  Donna
Isabel  4.  October  1497  gestorben  war,  der  portugiesische  Infant
in  Castilien  und  Aragon  die  Huldigung  der  Cortes  erlangte.
Niemals  war  die  Vereinigung  der  drei  Kronen  Portugal,  Castilien, ­
  Aragonien  näher  gerückt.  Ein  einziger  Tag  zerstörte  alle
diese  Hoffnungen,  —  es  war  der  Todestag  Don  Miguels
(20.  April  1500),  der  zweiundzwanzig  Monate  nach  dem  Tode
seiner  Mutter  dieser  in  das  Grab  nachfolgte.
Ob  nun  aber  diese  Vereinigung  stattfinde  oder  nicht,
unter  welchen  Modalitäten  und  wem  zum  Nutzen,  so  viel  war
gewiss,  dass  trotz  der  kriegerischen  Erhebung  Aragons  unter
Alfonso  V.  die  drei  Königreiche  Castilien,  Aragon  und  Navarra
im  Anfänge  der  zweiten  Hälfte  des  fünfzehnten  Jahrhunderts
tief  gesunken  waren  und  einer  Reconstruction  um  so  mehr  bedurften, ­
  da  zu  der  gänzlich  zerrütteten  finanziellen  Lage  Castiliens
  die  Streitigkeiten  der  Aftervasallen  Aragons  gegen  den  hohen
Adel  sich  gesellten,  die  die  Gefahr  eines  ernsten  Bürgerkrieges
in  sich  schlossen.  Es  gab  somit  eigentlich  nur  zwei  Staaten
von  grösserer  Bedeutung,  das  französische  Königreich,  das
sich  auch  im  fünfzehnten  Jahrhundert,  wie  es  in  ähnlicher
Weise  auch  im  vierzehnten  nach  dem  unglücklichen  Frieden

in  Portugal  nehmen,  wodurch  dieses  selbst  eine  Waffe  gegen  Castilien
erlangte  (Calendar  of  letters,  Edit.  Bergenroth  II,  1509  —  1525.
n.  379,  p.  396).
Zwei  Frauen  stritten  sich  so  am  Ende  der  Bastarddynastie  Castiliens
  um  die  Herrschaft.  Die  Eine  errang  sie,  indem  sie  den  letzten  Sprossen
desselben  Hauses  aber  vom  aragonesischen  Zweige  heirathete,  Ferdinand ­
  den  Katholischen,  der  dadurch  ein  doppeltes  Anrecht  auf  Castilien
gewann,  die  Andere,  vielumworben,  blieb  die  gefährliche  Prätendentin  so
lange  sie  lebte  (f  1530),  und  war  erst  unschädlich  gemacht,  als  das
portugiesische  Königshaus  durch  die  Vermählung  der  Infantinnen  Isabella,
Maria,  Leonora,  Katharina  in  das  castilianische  Interesse  hineingezogen
worden  war,  der  habsburgisch-burgundische  Erbe  Casliliens  und  Aragons,
Don  Carlos  (Karl  V.)  eine  portugiesische  Infantin  (Isabella)  heirathete.
Was  in  Spanien  geschah,  stand  nicht  vereinzelt  da.  Wohin  man
blickte,  stand  eine  Auflösung  des  Bestehenden  als  vollendete  Thatsache
da  und  was  sich  an  dessen  Stelle  zu  erheben  suchte,  trug  bereits  im
Entstehen  den  Keim  des  Unterganges  in  sich.
            
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