Die roraau. Welt und ihr Verliältniss zu den Reformideen des Mittelalters. 425
1479 zwischen beiden Theilen stattfand, 1 Donna Juana in
Coimbra den Schleier nahm 1480, ohne jedoch den Willen aufzugeben,
ihre Anspriiche'bei gelegener Zeit wieder aufzunehmen. 2
1481 starb König Alfonso. — Die zweite Möglichkeit beruhte
auf der Vermählung der blauäugigen Donna Isabel mit Don Fernando
von Aragon, dem Sohne K. Juans II. Sie schloss eigentlich
die Vereinigung der beiden Linien der castilianischen Bastarddynastie
in sich. Aus ihr bildete sich die dritte Möglichkeit,
1 (Junta XX c. 39. Das Königreich Fez sollte an Portugal, die canarisehen
Inseln an Castilien fallen.
2 Noch in späterer Zeit griff der geheime Rath Castiliens die Frage der
Erbfolge der Königin Isabella und ihrer Nichte Juana la excellente oder
auch la Beltrameja auf. Eine Denkschrift, die uns leider nur in englischer
Uebersetzung zugekommen ist, erörterte im Jahre 1521/22 die Angelegenheit.
Die Mutter — eine Schwester Königs Affonsos von Portugal, der
nachher seine Nichte heirathete und sich durch ihre Hand den Weg zum
Throne Castiliens zu bahnen suchte, deshalb auch mit K. Ferdinand und
K. Isabella Krieg führte, — befand sich in Folge eigenthiimliclier Umstände
von Anfang an in einer seltsamen Lage. Heinrich IV. hatte als Prinz
von Asturien die navarresische Prinzessin Donna Bianca geheirathet, der
von Rechtswegen nach dem Tode ihres Bruders, des Prinzen Carlos von
Viana die Nachfolge in Navarra gebührte. 1437. Ihr ward damals der
Grund zugeschrieben, warum Heinrich keine Kinder bekam; er trennte
sich noch bei Lebzeiten seines Vaters Don Juan von ihr und erlangte
eine päpstliche Dispens, um eine neue Heirath einzugehen, unter der Bedingung,
dass er zu seiner ersten Frau zurückkehre, wenn er binnen
einer gewissen Zeit von der zweiten keine Kinder erlange. Nach der
Denkschrift habe denn auch K. Heinrich von der zweiten Frau, der
portugiesischen Prinzessin Donna Juana in der Zeit, welche die Dispensationsbulle
bestimmt, keine Kinder erhalten und sei die Prinzessin Juana
deshalb illegitim, weil die Ehe ihrer Mutter in Folge der Dispensationselausel
null und nichtig gewesen! Abgesehen hievon sei es notorisch und
allgemein geglaubt, dass Juana nicht die Tochter des Königs gewesen,
da ihre Mutter ein ausschweifendes Leben geführt; zweitens, da nach ihrer
Geburt Versuche gemacht worden seien, ihre Nase der des Königs Heinrich
ähnlich zu machen; am selben Tage, als sie geboren wurde, sei
eine Frau mit einem Sohne niedergekommen und habe man diese zu bewegen
gesucht, denselben gegen die Prinzessin auszutauschen. Angeblich
lebten noch (1521?) Personen, welche bezeugten, dies von glaubwürdiger
Seite gehört zu haben. IC. Affonso von Portugal, welcher die Rechte
seiner Nichte und künftigen Frau vertheidigte, wurde geschlagen; der
Papst (Alexander VI) erklärte sich für Isabella und verbot Juana, Prinzessin
oder Königin von Castilien zu nennen. Sie musste ihre Zuflucht