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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 91. Band, (Jahrgang 1878)

Üie  roman.  Welt  und  ihr  Verhältniss  zu  den  Reformideen  dos  Mittelalters.  421

Rene  von  Anjou  und  Lothringen,  zu  bestimmen.  Dann  starb
sie  am  2.  Februar  1435.  Beide  Ereignisse,  der  Tod  der  letzten
Königin  aus  dem  älteren  Zweige  des  Hauses  Anjou  und  ihre
Verfügung  zu  Gunsten  eines  französischen  Prinzen  gaben  Anlass
zu  dem  neapolitanischen  Successionskriege,  der  die  ganze  Lage
der  Dinge  in  Südeuropa  veränderte.  Die  ungarische  Linie,  die
eigentlich  neapolitanische  Linie  und  die  von  Durazzo  waren
nacheinander  ausgestorben,  der  neue  Thronerbe  befand  sich
in  Gefangenschaft  des  Herzogs  von  Burgund,  der  König  von
Aragon  aber  griff  jetzt  bis  in  die  Zeiten  des  staufischen  und
aragonesischen  Kampfes  um  Neapel  zurück  und  machte  als
König  von  Sicilien  und  päpstlicher  Lehenskönig  von  Corsica
und  Sardinien  jetzt  die  Rechte  der  Königin  Costanza,  Tochter
des  staufischen  Manfred,  auf  Neapel  geltend.  Die  alten  Streitigkeiten ­
  des  dreizehnten  Jahrhunderts,  die  das  christliche  Staatensystem ­
  auf  das  Tiefste  erschüttert,  schienen  im  fünfzehnten
Jahrhunderte  aufs  Neue  einzutreten,  als  K.  Alfonso,  sein  Bruder,
Don  Juan,  König  von  Navarra  und  der  dritte  Bruder,  der
Infant  Don  Enrique  im  Seetreffen  bei  Gaeta  von  der  viscontischgenuesischen
  Flotte  geschlagen  und  gefangen  wurden.  1  Aber
von  Philipp  Visconti,  dem  Herzog  von  Mailand  und  Genua
freundlich  aufgenommen,  verknüpfte  Sieger  und  Besiegte  sehr
bald  ein  gemeinsames  Interesse  gegen  die  Franzosen,  welche
Philipp,  im  eigenen  Rücken  von  ihnen  bedroht,  nicht  nach
Unteritalien  Vordringen  lassen  wollte.  Mochte  der  Herzog  von
Mailand  calculiren,  dass,  während  Alfonso  und  Rene  um  die
Herrschaft  stritten,  ihm  selbst  Toscana  zufallen  werde,  er  vertrug ­
  sich  mit  dem  Könige  von  Aragon,  dieser  begann  die  Eroberung ­
  von  Neapel  aufs  Neue  1436,  aber  erst  1442  gelang
es  Alfonso,  sich,  wie  es  einst  Beiisar  gegen  die  Gothen  gethan,
m  den  Besitz  Neapels  zu  setzen.  Rene  musste  die  Hauptstadt
und  das  Königreich  verlassen  und  obwohl  er  von  Papst  Eugen  IV.
die  Investitur  erlangte,  konnte  er  den  feierlichen  Einzug  Alfonso’s
in  Neapel  25.  Februar  1443  nicht  hindern.  Der  König  von
Aragon,  der  das  Kreuz  und  die  Lilien  von  Jerusalem,  die  Querbalken ­
  von  Ungarn  und  die  schrägen  von  Aragon  in  seinem
Wappen  trug,  schrieb  sich  König  Siciliens  diesseits  und  jenseits

1  5.  Aug.  1435.

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