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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 91. Band, (Jahrgang 1878)

Oie  romau.  Welt  und  ilir  Verhältniss  zu  den  Reforraideen  des  Mittelalters.  419

Königs  Andreas,  der  aber  in  Ungarn  starb.  Die  Königin,  von
ihrem  Schwager  K.  Ludwig  des  Mordes  ihres  Gemahls  angeklagt, ­
  hatte  sich  rasch  mit  Ludwig,  Fürsten  von  Tarent,
einem  Sohne  des  Prinzen  Philipp,  vermählt,  ihre  Unschuld  an
der  Ermordung  ihres  ersten  Gemahls  in  Avignon  zu  beweisen
gesucht,  endlich  die  Krönung  ihres  zweiten  Gemahls  erwirkt
und  obwohl  K.  Ludwig  von  Ungarn  einen  neuen  Zug  nach
Neapel  unternahm,  erhielten  sich  Ludwig  und  Johanna  im
Königthum.  Nachdem  Ludwig  1362  kinderlos  gestorben,  vermählte ­
  sich  Johanna  mit  dem  entthronten  Prinzen  von  Majorca ­
  und  nach  dessen  Tode  mit  Otto,  Herzog  von  Braunschweig ­
  1375.  Als  aber  bei  Ausbruch  des  Schismas  Johanna
die  Partei  des  schismatischen  Clemens  VII.  nahm,  erhob  Papst
Urban  VI.  als  oberster  Lehensherr  den  jugendlichen  Fürsten
Karl  von  Durazzo,  Sohn  des  1348  ermordeten  Herzog  Karls,
und  als  nun  die  Königin  den  Herzog  Ludwig  von  Anjou  zu
ihrem  Thronerben  ernannte,  drang  K.  Karl  in  das  Königreich
ein,  nahm  erst  den  Gemahl  der  Königin,  dann  sie  selbst  in
Neapel  gefangen,  worauf  sie  in  gleicher  Weise  ermordet  wurde,
22.  Mai  1382,  wie  siebenunddreissig  Jahre  früher  ihr  ungarischer
Gemahl.  Von  Urban  VI.  gekrönt,  behauptete  Karl,  König  von
Neapel  und  Jerusalem,  das  Königreich  gegen  Ludwig  von  Anjou,
der  auf  die  Nachricht  von  dem  Tode  der  Königin  sich  sogleich  in
den  Besitz  der  Grafschaften  Provence  und  Forcalquier  gesetzt, ­
  diese  von  Neapel  abgerissen  hatte.  Als  er  aber  auch  das
Königreich  zu  gewinnen  trachtete,  verlor  er  selbst  1384  in
Biseglia  sein  Leben.  Karl  aber  vereinigte  dann  die  Kronen  von
Croatien  und  Ungarn  mit  der  von  Neapel.  Ein  neues  Grossreich ­
  der  Romanen  schien  zu  entstehen,  als  er,  bereits  zum
Könige  von  Ungarn  gekrönt,  meuchlings  in  Ofen  verwundet,
am  3.  Jänner  1386  starb.  1  Die  Vereinigung  Neapels  und  Ungarns
lüste  sich  dadurch  von  selbst.  Da  Karl  III.  einen  zehnjährigen
Sohn  Ladislaus  und  eine  um  zwei  Jahre  ältere  Tochter
Johanna  (II.)  hinterlassen,  das  Reich  rasch  in  grosse  Un-1

  In  et: 1 !  di  41  anni  fini  la  sua  vita  per  mano  di  due  regine  (Witwe  und
Tocliter  K.  Ludwigs  von  Ungarn)  com’  egli  aveva  data  la  morte  ingiusta
ed  ingratamente  alla  regina  Giovanna  sua  zia  e  fatto  morire  nelle  carceri
due  sorelle  di  sua  moglie  per  gelosia  del  regno.  Vergaria  p.  53.
Sitzungsber.  a.  phil.-hist.  CI.  XCI.  Bd.  II.  Hft.  28
            
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