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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 91. Band, (Jahrgang 1878)

Die  roman.  Welt  und  ihr  Verhältnis  zu  den  Reformideen  dee  Mittelalters.  415

Einheit  wiederhergestellt  war,  nicht  gewillt,  sich  wie  es  einst,
und  damals  nur  widerwillig  geschehen  war,  unter  einem  Gregor,
Innocenz  oder  Bonifacius  zu  fügen.  In  Frankreich  fand  jene
Periode  statt,  die  man  das  Grab  der  Sitten  nannte  und  der
zweiten  englischen  Invasion  voranging,  welche  selbst  so  entsetzlich ­
  hauste,  dass  nur  Frankreich  allein  den  Folgen  so  lange
andauernder  und  mörderischer  Kriege  sich  entwinden  konnte,
wie  es  in  der  That  im  fünfzehnten  Jahrhunderte  geschah.  Von
den  englischen  Königen  wurde  Richard  ermordet;  Heinrich  V.,
Sieger  über  die  Franzosen,  starb  in  dem  Augenblicke,  als  von
seinem  Leben  der  Bestand  der  Vereinigung  der  Kronen  von
England  und  Frankreich  bedingt  war,  1422.  Sein  Sohn  Heinrich ­
  VI.  verlor  nicht  blos  die  Krone  von  Frankreich,  sondern
auch  die  von  England  und  sein  Leben  im  Kerker,  1472.  Sein
Sohn,  der  Prinz  von  Wales,  wurde  ermordet,  1471.  Das  Haus
Lancaster,  dem  diese  Fürsten  (seit  Heinrich  IV.,  dem  Usurpator) ­
  angehörten,  schien  die  rothe  Rose  nur  deshalb  im
Wappen  zu  führen,  weil  es  selbst  in  Blut  getränkt  war.  Richard
Graf  von  Cambridge,  der  durch  die  Heirath  mit  Anna  Mortimer
  die  Erbrechte  des  zweiten  Sohnes  K.  Eduards  an  sich
zu  bringen  gestrebt,  dadurch  der  dritten  Linie  (Lancaster,  von
Johann  von  Gaunt,  Herzog  von  Lancaster)  gefährlich  wurde,
wurde  1414  enthauptet;  sein  Sohn,  der  Graf  von  York,  der
Heinrich  VI.  zu  entsetzen  suchte,  wurde  1460  mit  seinem
zweiten  Sohne  Eduard  Grafen  von  Rutland  erschlagen.  Als
sein  ältester  Sohn  Eduard  IV.  seit  1461  König,  schon  1483
starb,  wurden  seine  beiden  Söhne  Eduard  V.  und  Richard
ermordet;  sein  Bruder  Georg  Herzog  von  Clarence  wurde  1478,
dessen  Sohn  Eduard  noch  1499  hingerichtet;  Richard  IIP,  der
Mörder  seiner  Neffen  (der  Söhne  K.  Eduards  IV.)  1485  erschlagen. ­
  Von  dem  Hause  der  Plerzoge  von  Buckingham,  das
durch  Anna  von  Glocester,  der  Tochter  des  jüngsten  Sohnes
K.  Eduards  IIP  mit  dem  Königshause  zusammenhing,  fielen
Ilumfred  der  Vater  (1450)  und  IJumfred  der  Sohn  1455  auf
dem  Schlachtfelde,  Heinrich  Herzog  von  Buckingham  wurde
1483,  Eduard  Herzog  von  Buckingham  1521  enthauptet.  Wer
mit  dem  Königshause  in  Berührung  kam,  verfiel  dem  Tode;
glücklich,  wer  ihn  auf  dem  Schlachtfelde  im  französischen,  im
irländischen  oder  im  Bürgerkriege  fand.  Als  Katharina  von
            
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