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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 91. Band, (Jahrgang 1878)

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Hofier.

wie  man  zur  Klage  vieler  redlicher  Männer  die  Anzahl  der
Heiligen  fortwährend  vermehrte,  ohne  zu  bedenken,  dass  man
dadurch  die  grossen  Blutzeugen  der  apostolischen  Zeiten,  die
wahren  evangelischen  Doctoren  aus  dem  Gedächtnisse  der
Gegenwart  bringe;  in  ähnlicher  Weise  wie  jetzt  in  Constanz
in  grossen  Schaaren  die  Mönchsorden  aufzogen,  deren  Anzahl
fortwährend  zugenommen  hatte,  während  auch  hier  die  Reformen ­
  so  nothwendig,  eine  Reducirung  der  in  den  mannigfaltigsten ­
  Trachten  Erscheinenden  nur  wünschenswerth  war.  Es  war
problematisch,  ob  auf  dem  Wege  parlamentarischer  Versammlungen ­
  die  Reform  nach  Unten,  die  mindestens  ebenso  nothwendig ­
  war,  als  die  nach  Oben,  erreicht  werden  konnte.  Es
war  sehr  wahrscheinlich,  dass  Mittel,  welche  bisher  nur  als
aussergewöhnliche  gebraucht,  zu  gewöhnlichen  herabgesunken,
auch  sich  rasch  abnützten  und  so  das  Hauptziel  nicht  erreicht
werde.  Konnte  doch  mit  Recht  bereits  auf  jene  Zeiten,  die
auf  die  Jahrhunderte  der  Friedriche,  der  Heinriche,  der  Ottonen,
  geschweige  K.  Karls  und  seines  Fabelkreises  als  auf
längstverschwundene  Jahrhunderte  blickten,  der  Ausspruch  des
augustischen  Zeitalters  angewendet  werden,  man  vermöge
weder  die  eigenen  Fehler  noch  die  Abhülfe  zu  ertragen. 1  Die
so  wichtige  Frage  vom  Besitzstände  des  Clerus,  welche  das
ganze  vierzehnte  Jahrhundert  unter  den  verschiedensten  Formen
die  Gemüther  erregte,  war,  nachdem  man  ihr  Zeit  gelassen
die  Kirche  zu  erschüttern,  aber  nicht  sich  die  Zeit  genommen,
sie  dauernd  zu  lösen,  plötzlich  in  den  Hintergrund  gedrängt.
Sie  musste  vor  der  der  Grenzen  der  päpstlichen  und  der  Conciliengewalt
  weichen  und  bald  schien  alles  Heil  von  dem  Entscheid ­
  abzuhängen,  ob  der  Papst  über  dem  Concil  oder  dieses
über  dem  Papste  stehe.  So  entsetzlich  hatte  das  Papstschisma
in  siebenunddreissig  Jahren  gehaust,  dass  förmlich  ein  neuer
Aufbau  dessen,  was  man  Hierarchie  nannte,  stattfinden,  eine
neue  Ordnung  der  Dinge  begründet  werden  musste.  Kirche
und  Kirchenstaat,  das  Verhältniss  der  Päpste  zu  den  Bischöfen
wie  zu  den  weltlichen  Fürsten,  das  ganze  religiöse  Leben,
Alles  war  aus  den  Fugen  gegangen,  Alles  musste  neu  aufge-1

  Ad  hiiec  tempora,  qulbus  nee  vitia  nostra  nec  remedia  pati  possimus,  proventum
  est.  Liv.  praef.
            
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