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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 91. Band, (Jahrgang 1878)

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Höfler.

hielt,  bewirkten,  dass  diese  massenhaft  sieh  taufen  liessen  1  und
ebenso  nahm  eine  sehr  bedeutende  Anzahl  von  Moslim  das
Christenthum  an.  Es  war  dringend  nothwendig,  dass  in  dieser
Beziehung  ein  Umschlag  eintrete.  Im  Anfänge  des  vierzehnten
Jahrhunderts,  also  zur  Zeit  Papst  Clemens  V.,  war  in  dem
maurischen  Königreich  Granada,  das  mit  seinen  festen  Burgen,
blühenden  Abhängen,  der  herrlich  bebauten  Vega,  der  gewaltig ­
  befestigten  Stadt  wie  eine  Insel  im  christlichen  Spanien
hervorragte,  das  Bevölkei’ungsverhältniss  in  der  Art,  dass  man
auf  200.000  Moslim  nur  500  echt  moslemischer  Abkunft,
50.000  Renegaten  (ehemalige  Christen),  30.000  Christensklaven
rechnete. 2  Die  Juden  sahen  sich  als  die  älteren  Einwohner
von  Spanien  an,  das  ihnen  von  Rechtswegen  gehöre.  Sie  hatten
die  Westgothen  als  Nichtrömer  und  Usurpatoren  gehasst,  die
Fortschritte  der  Moslim  begünstigt,  waren  in  Castilien  von
Don  Pedro  unterstützt  worden,  die  neue  Dynastie  hasste  sie. 3
Unter  Juan  I.  wurden  4000  Juden  in  Sevilla  erschlagen,  dann
ging  das  Morden  nach  Burgos,  Valencia,  Cordoba,  Toledo,  nach
Barcelona.  Das  Volk  hielt  die  massenhaften  Bekehrungen  nicht
für  echt,  während  anderseits  Neubekehrte  ihren  Uebertritt  zu
rechtfertigen,  die  Schwächen  und  Irrthümer  des  alten  Glaubens,
den  sie  verlassen,  aufdeckten.  Namentlich  schadete  den  Juden
in  Spanien  die  Bekehrung  eines  ihrer  berühmtesten  Rabbis,  des
Iimenes  de  Santa  Fe,  der  nun  in  theologischen  Gesprächen  zu
Tortosa  die  zahlreichen  Irrthümer  und  Lächerlichkeiten  des
Talmud  aufdeckte.  Das  Volk  begriff  nicht,  warum,  wenn  der
gelehrteste  Rabbi  Christ  wurde,  die  Uebrigen  nicht  seinem  Beispiele ­
  nachfolgten.  Die  Lage  der  Juden,  früher  vielfach  begünstigt, ­
  änderte  sich  zusehends.  Benedict  XIII.  verbot  ihnen
in  Valencia  gewisse  Gewerbe;  in  Castilien  entzog  ihnen  das

1  Man  rechnete,  Vineenz  habe  25.000  Juden,  8000  Mauren  bekehrt.
2  (Jurita  anales.  IV,  p.  315.  Nach  einem  Berichte  an  das  Concil  von
Vienne  1311.
3  Schon  Alvarus  Pelagius  klagt  darüber,  dass  die  spanischen  Könige  den
Juden  Aemter  über  die  Christen  verliehen  und  sagt  von  ihnen:  quorum
(regum)  corporum  et  rerum  Judai  fallacissimi  sunt,  —  quorum  perfidia
semper  Christum  et  ehristianos  persequitur  maxime  in  occulto.  II.  30.
Alvarus  vermerkt  es  aber  den  Königen  sehr  übel,  quia  puniunt  etiam
haereticos  etiam  si  personae  sint  ecclesiasticae.  f.  72.
            
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