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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 91. Band, (Jahrgang 1878)

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Höfler.

dieses  predigte  und  mit  dem  Gebete  für  die  Reformation  der
Kirche  und  den  Papst, 1  tief  gebeugt  durch  das  Schisma,  in
Rom  ihr  heldenmüthiges  Leben  endete,  das  aus  Geduld  und
Entsagung  bestehend,  der  Zeit  als  ein  ununterbrochenes  Wunder
erschien.  Der  Streit  über  die  Armuth  Christi  war  ein  eigenthümlicher
  Samen  geworden,  der  einerseits  das  Bild  des  Erlösers ­
  in  seiner  Armuth  und  Verlassenheit  wieder  Vielen
vorführte, 2  bei  Anderen  aber  den  Plan  erzeugte,  nicht  eher
zu  ruhen  als  bis  die  Kirche  aller  weltlichen  Macht  beraubt
sei. 3  Als  aber  nun  das  Schisma  sich  dadurch  befestigte,
dass  Clemens  VII.  unter  dem  Schutze  K.  Karls  von  Frankreich
seine  Residenz  in  Avignon  nahm,  gebrauchte  Bonifacius  IX.
die  Nonne  Ursulina  von  Parma  zur  Sendung  nach  Avignon/ 1
wo  sie  der  Tortur  ausgesetzt,  der  Vergiftung  zwei  Mal  mit
Mühe  entrann, 5  endlich  bei  dem  Tode  Papst  Clemens  VII.
anwesend  war,  der  in  dem  Augenblicke  starb,  als  er  sich  die
Hände  gewaschen  hatte  um  sich  zur  Tafel  niederzusetzen.  Die

1  1.  c.  n.  362,  pro  reformatione  ac  bono  statu  ecclesiae  dci  et  pro  vicario
Christi.
2  Dazu  gehörte  vor  Allem  der  vorher  genannte  Johannes  Columbinus,  Schüler
des  Karthäusers  Pietro  Petronio  von  Siena  (f  29.  Mai  1361),  dessen  Lehen
dann  auch  Columbinus  beschrieb  (Acta.  SS.  29.  Mai).  Petronio  war  es,  der
den  nachherigen  Stifter  der  Jesuaten,  die  in  aller  Stille  damals  entstanden, ­
  bewog,  ad  evangelicam  paupertatem  amplexandam  (vita  P.  P.
n.  52).  Petrus  war  eine  jener  zartgestimmten  Seelen,  deren  Leben  ganz
in  der  Betrachtung  des  Leidens  Christi  und  in  der  Nachfolge  seines
Lebens,  in  dem  Bestreben  die  Höhe  evangelischer  Vollkommenheit  (evangelicae
  perfectionis  fastigium)  zu  erlangen,  aufgegangen  war.  Auf
die  Darstellung  der  Hingabe  für  Andere,  der  Reinheit  und  Entsagung,
die  Pietro  Petronio  geübt,  und  die  sein  Freund  Joachim  dem  Giovanni
Boccaccio  mittheilte,  fand  des  letzteren  Bekehrung  statt  (Vita  Petri  P.
c.  XI),  welche  Petrarca  zu  dem  berühmten  Sonette  Anlass  gab.  Leider
hat  Peters  [Biograph  kaum  angedeutet,  welchen  Antheil  dieser  durch
seinen  Schüler  Joachim  an  der  Herstellung  des  Friedens  zwischen  den
Engländern  und  Franzosen,  in  Neapel  und  anderen  Orten  nahm  (Acta.  n.  79).
3  Wie  die  Florentiner  wollten:  quod  nullam  haberet  temporalem  potentiam
ne  posset  de  ipsis  vindictam  sumere  quoquo  modo.  Vita  n.  420.
4  Simonis  de  Zanachis,  Vita  B.  Ursulinae  (Acta.  St.  7.  April).
5  Cum  B.  Ursulinam  ad  eculeum  perduxissent  eamque  de  more  ignominioso
sacco  suis  exutam  vestibus  cooperuissent  et  illius  jam  post  tergum
revinctas  manus  ad  eculei  funes  impiissimi  ministri  eonnectere  satagebant,
  etc.  n.  26.
            
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