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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 91. Band, (Jahrgang 1878)

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Hofier.

Krone,  die  einst  einer  seiner  Almen  dem  hl.  Petrus  gewidmet
und  seitdem  so  lange  als  päpstliche  Krone  gegolten  hatte,
setzte  sie  sich  selbst  auf  und  erklärte  unter  keiner  Bedingung
päpstlicher  Vasall  werden  zu  wollen.  War  das  schon  in  der
avignonesischen  Zeit  geschehen,  so  dachte  jetzt  vollends  jeder
Fürst  nur  daran,  seine  Befugnisse  auf  Kosten  des  Priesterthums,
  des  Papstthums  zu  mehren.  In  England  vergass  man
auf  K.  Johanns  Lehenszins  imd  die  Lehensabhängigkeit.  So
lange  Trinakria  für  sich  als  selbstständiges  Reich  bestand  und
des  Schutzes  des  römischen  Stuhles  gegen  Neapel  bedurfte,
erhielt  sich  das  alte  Abhängigkeitsverhältniss  zu  jenem.  Als
es  seit  1410  ein  Glied  des  grossen  aragonesischen  Reiches
wurde,  folgte  es  der  Politik  des  neuen  castilianischen  Königshauses ­
  von  Aragon.  Das  alte  kaiserliche  Staatensystern  hörte
auf,  das  byzantinische  ging  in  Trümmer  als  die  Osmanen  die
südslavischen  Länder  aufrollten  und  nur  der  Einbruch  Tamerlans
  und  sein  Sieg  über  den  Osmanensultan  Bajasid  1402  dem
letzten  Reste  des  byzantinischen  Reiches  noch  ein  klägliches
Dasein  fristete.  Das  päpstliche  Staatensystem  schlief  allmälig
ein.  Drei  Päpste  zu  gleicher  Zeit,  wie  dieses  1409  bis  1415
der  Fall  war,  waren  ein  für  alle  Mal  zu  viel  und  doch  war
seit  den  Erfahrungen  des  Pisaner  Concils  keine  Aussicht  vorhanden, ­
  dass  durch  Cardinäle,  Bischöfe,  Clerus  diesem  Ueberflusse
  wirksam  begegnet  werden  könne!
Es  war  begreiflich,  dass  man  auch  an  der  Wirksamkeit
eines  allgemeinen  Concils  zu  verzweifeln  begann,  da  man  sich
sagen  musste,  dass  seine  Beschlüsse  doch  nichts  anderes  enthielten, ­
  als  was  dem  Papste  genehm  sei  oder  durch  sie  hintennach
  geändert  werden  könnte. 1  An  neue  Orden  war  nicht  mehr
zu  denken,  der  von  Johann  Columbino  f  1368  gestiftete  der
Jesuaten  brachte  es  mit  aller  Liebe  und  Aufopferung,  welche
er  zeigte,  nicht  zu  einer  durchgreifenden  Bedeutung.  Es  waren
grossentheils  bedeutende  Persönlichkeiten  gewesen,  diese  Päpste
von  Avignon,  gelehrte,  kenntnissreiche,  eifrige,  staatskluge,  theilweise
  sehr  energische  Persönlichkeiten.  Sie  hatten  das  von
Parteien  zerrissene  Italien  preisgegeben  und  den  Schwerpunkt
von  dem  Süden  nach  dem  Norden  verlegt,  ohne  und  dann  mit

1  Höfler,  Die  avignonesischen  Päpste,  1871,  S.  51.
            
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