Die roman. Welt und ihr Verhültniss zu den Reformideen des Mittelalters. 395
thums gearbeitet worden, dass es in dem entscheidenden Momente,
als jenes seiner bedurfte, keine Hülfe gewähren konnte.
Und als vollends Wenzel die Traditionen seines Vaters verlassend,
sich an die neue avignonesisclie Papstreihe anschloss
und die römische verliess, besass Bonifacius IX. noch so viel
Macht, dass er die Absetzung Wenzels durch die deutschen
Kurfürsten und die Erhebung des Pfalzgrafen bei Rhein K. Ruprechts
durchzusetzen vermochte, 1400. Als dann die christliche
Welt, des Schismas müde, sich aufraffte, um die beiden
Papstreihen durch ein Concil zu beseitigen und dieses von Anhängern
der beiden Papstreihen besucht wurde, zeigte sich auch
dieses Mittel sehr bald als unfruchtbar, indem weder der avignonesische
noch der römische Papst sich der Entscheidung des
Concils von Pisa unterwarf und sich vor Alexander V. (einem
Candioten), den das Concil von Pisa 1409 erhoben (f 4. Mai 1410)
beugte. Und als sich nun vollends zeigte, dass die so grossen
Hoffnungen, welche auf das Concil von Pisa gesetzt worden
waren, auf das Schlimmste getäuscht wurden und dieses zuletzt
nur dazu führte, dem verwegensten politischen und kirchlichen
Rechner, Baltassar Cossa, Johann XXIII. (1410 bis 1415) den
Weg zum Pontificate zu bahnen, das er im Anfänge des Jahrhunderts
führte, wie Alexander VI. am Ende desselben, so
hatten Benedict XIII., Don Pedro di Luna, seit 1394 Nachfolger
Clemens VII. in Avignon, und Gregor. XII. in Rom, seit
1406 Nachfolger Innocenz’ VII., wie dieser Nachfolger Bonifacius
IX. (f 1404) vollkommen Recht, wenn sie sich an das
Absetzungsdecret des Pisaner Concils nicht kehrten. Die christliche
Welt hatte aufgehört, sich nach Staatensystemen zu
gliedern, das deutsche Reich fand seinen Halt nicht mehr in
Italien oder im Arelat, wohl aber in Böhmen und in Ungarn.
Das einst so stolze französische Königthum, das sich als Herrn
des Kirchenstaates, Italiens, Spaniens ansah und mit Kronen
würfelte, sank unter Karl VI., der nicht sterben wollte, aber
zwei Dauphins überlebte und den dritten entthronte, immer
tiefer. Es war jetzt an den Päpsten, sich um die Gunst der
bürsten zu bewerben und man musste froh sein, wenn man
noch einen Schein der alten Hoheitsrechte wahren konnte. Als
Don Pedro IV. König von Aragon 1336 von dem Erzbischof
von Saragossa gekrönt werden sollte, ergriff er rasch die