Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 91. Band, (Jahrgang 1878)

386

Höfl  er.

die  die  wildverschlungenen  Knoten  des  Parteilebens  und  der
Leidenschaft  durch  Milde,  Sanftmuth  und  Selbstverleugnung
aufzulösen  strebte.  Da  sie  nur  sporadisch  sich  bemerkbar
machen,  geht  die  Geschichtschreibung  an  ihnen  vorüber;  man
pflegt  sie  mit  allgemeinen  Phrasen  abzuthun  oder  sie  nach
dem  Maasse  der  späteren  Bewegung  im  sechszehnten  Jahrhundert
zu  beurtheilen,  wo  nicht  zu  verurtheilen,  gleich  als  wenn  für
alle  Erscheinungen  des  religiösen  Lebens  dadurch  für  die  geschichtliche ­
  Forschung  ein  Canon  gegeben  wäre  und  die  kolossale ­
  Einseitigkeit  und  Uebertreibung  jener  Zeit  nicht  an  und
für  sich  ein  schweres  Bedenken  in  Bezug  auf  die  Unparteilichkeit ­
  dieser  Uynosur.  erzeugen  müsste.
Zu  keiner  Zeit  fehlte  es  an  Männern,  die  von  sittlichem
Ernste  erfüllt,  nicht  in  ihrem  Kreise  das  Aeusserste  arrfboten,
dem  Verderben,  wo  es  sich  zeigte,  entgegenzutreten,  rettend,
fördernd,  helfend  auf  ihre  Zeit  und  ihre  Umgebung  einzuwirken. ­
  Es  wäre  ein  grosses  Unrecht  zu  glauben,  dass  die
Vertheidiger  der  päpstlichen  Rechte  auch  gewillt  waren,  was
in  Avignon  Unschönes  stattfand,  zu  loben  und  deshalb  weil  der
Papst  als  einziger  Monarch  (unus  monarcha)  beide  Schwerter
besitze,  der  unrechtmässige  Gebrauch  der  Macht  für  rechtmässig ­
  gehalten  worden  wäre.  Es  gab  auch  in  den  höchsten
Kreisen  Männer  von  altem  Schlage  und  der  strengsten  Lebensauffassung. ­
  Alvarus  Pelagius  rühmte  den  Cardinallegaten  Martin,
der  arm  nach  Dänemark  gegangen  war,  arm  wieder  zurückkehrte; ­
  den  Legaten  Gaufridus,  der  nach  Aquitanien  geschickt,
sich  selbst  die  Fische  kaufte  und  selbst  hölzerne  Schüsseln
nicht  annahm.  Er  verlangte,  dass  Bischöfe  und  Päpste  nicht
geschniegelte  Knaben  (Pagen)  um  sich  hätten, 1  nicht  unwürdige
Verwandte  von  den  Päpsten  befördert  werden  sollten.  Alle
simonistischen  Gewohnheiten  müssten  abg-ethan,  die  römische
Kirche  eine  Mutter,  nicht  eine  Herrin  (domina)  sein,  der  Papst
sich  nicht  für  den  Herrn,  sondern  für  den  Diener  halten,  für
den  Verwalter,  für  den  Arbeiter. 2  Diejenigen  welche  Ludwig

1  Quod  papa  et  episcopi  non  debent  habere  secum  pueros  comptos  et  coraatulos
  adolescentes,  et  quod  non  decet  inter  mitratoö  discurrere  calamistratos.

2  Pro  servo  dispensatore  laboratore  et  villico.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.