Die ruman. Welt unrl ihr Verhältnis* zu den Ueformideen des Mittelalters. 381
nisse Meister war. Nicht leicht war ein Pontiiicat in aufgeregtere
Zeiten gefallen; kaum hat ein Papst fruchtlosere Versuche
angestellt, den Frieden herbeizuführen; wenigen ist in
höherem Grade und aus beredterem Munde das Zeugniss der
Friedfertigkeit zu Theil geworden, während das Resultat, das
er erlangte, leider darin bestand, dass er den Frieden wollte,
aber beinahe nirgends erlangte, und die Pacification der Welt,
am 6. December 1352 sterbend, seinem Nachfolger als unerfüllbare
Aufgabe hinterlassen musste. Er hatte den Versuch
gemacht, einer aus ihren Fugen tretenden Welt das Papstthum
allein entgegenzustellen; er war misslungen und sein Nachfolger
Innocenz VI. sah sich genöthigt, zur Wiederherstellung des
Kaiserthums die Hand zu bieten. Allein das Kaiserthum, das
auf die Grundlagen hin, die Papst Clemens VI. gelegt, am
5. April 1355 durch Karls IV. Kaiserkrönung aufgerichtet
wurde, war zu ohnmächtig, als dass es selbst in gewöhnlichen
Zeiten hätte aushelfen können. Man wollte es für das Papstthum
möglichst unschädlich machen. Diesem Gedanken, der
auf der Furcht der Wiederkehr Ludwigischer und Friedrichscher
Tage beruhte, war alles Uebrige geopfert worden.
Karl IV. war in jede noch so erniedrigende Bedingung eingegangen
und hatte sie selbst (1346) gleich seinem Vater für
nützlich und ehrbar erachtet. Jetzt sollte das Kaiserthum helfen
und der Kaiser, welcher keine Nacht in Rom zubringen durfte, der
dem Enthusiasten Petrarca bemerkte, er glaube gar nicht, welches
Unthier das imperium sei, bedurfte selbst eher der Stütze, als
dass er Stütze gewähren konnte. Dahin hatte es das romanische
Papstthum gebracht; es musste sich zeigen, wohin es auch die
Kirche bringe. Und doch gestalteten sich die Dinge ungleich
besser, seit die respublica christiana wieder ein weltliches
Haupt erhalten. Innocenz VI. hatte sich genöthigt gesehen, den
spanischen Cardinal Egidio Albornoz mit einem Heere nach
Italien zu senden, um den Kirchenstaat aus den Händen weltlicher
Tyrannen zu reissen (1353). 1 Die Cardinäle hatten finden
Nachfolger Clemens VI. eine Wahlcapitulation ausgearbeitet,
ihm die Hände zu binden. K. Johann von Frankreich hatte
sich beeilt, nach Avignon zu kommen, um eine Papstwahl nach
1 Dr. Werunsky, ital. Politik Innocenz VI. und Karls IV.