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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 91. Band, (Jahrgang 1878)

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Hö  f  ler.

Er  pflegte  die  grossen  Angelegenheiten  der  Kirche  mit
öffentlichen  Predigten  zu  begleiten.  So  die  Ernennung  Ludwigs
von  Spanien  1  zum  Fürsten  und  Plerren  der  glücklichen  Inseln,
den  dann  der  Papst  mit  Krone  und  Scepter  investirte.  2  Der
Inhalt  der  Rede  ging  aber  darauf  hinaus,  zu  beweisen,  dass,
obwohl  Niemand  zum  Glauben  gezwungen  werden  sollte,  die
Kirche  doch  ein  Recht  habe,  die  Ungläubigen  auf  den  Inseln
Membriona,  Vinaria,  Theoda,  Capraria,  Canninaris  mit  Krieg
zu  überziehen  und  christlicher  Herrschaft  zu  unterwerfen.  1344.
Zwei  Jahre  später  erfolgte  die  berühmte  Capitulation
Karls  von  Mähren,  Sohn  K.  Johanns  von  Böhmen  und  Zögling-Papst
  Clemens  VI.,  mit  letzterem  zu  Avignon.  Der  Papst  war
entschlossen,  Ludwig  den  Baiern  zu  stürzen  und  wenn  Reichsfürsten ­
  nicht  dazu  die  Hand  boten,  auf  dem  Wege  der  Provision ­
  voranzugehen,  wie  man  bei  Erledigung  eines  Bisthums
zu  thun  pflegte.  Karl  sollte  römischer  König  und  künftig  Kaiser
werden.  Der  Papst  band  ihm  aber  durch  ungewöhnliche  Eide
vollständig  die  Hände  und  da  die  neuen  Verpflichtungen  sich
nicht  blos  auf  Deutschland,  sondern  auch  auf  Italien,  Polen,
Ungarn,  namentlich  aber  auf  Frankreich  bezogen,  so  wurde
Papst  Clemens  VI.  durch  Annahme  dieser  schweren  Bedingungen ­
  von  Seite  Karls  Schiedsrichter  zwischen  dem  imperium
und  seinen  mächtigsten  Nachbarstaaten. 3  Karl  wurde  erst
römischer  König,  nachdem  die  gegründete  Hoffnung  vorhanden ­
  war,  er  werde  sich  den  Verfügungen  (beneplacitis)
des  Papstes  und  der  Kirche  vollständig  unterwerfen],  Ludwig
entthronen,  alle  dem  Papste  ungehorsamen  Reichsfürsten  entsetzen. ­
  Man  hoffte,  wie  aus  Heinrich  Truchsess  von  Diessenhofen
  hervorgeht,  auf  eine  Art  von  Gütervertheilung  durch  den
vollkommenen  Sturz  der  Gegenpartei,  wie  sich  in  Italien  die
siegreichen  Guelfen  in  den  Besitz  der  Güter  der  Ghibellinen
zu  setzen  gewöhnt  haben.
Die  erste  Waffenthat  des  neugewählten  römischen
Königs  war  dann  die  Theilnahme  an  der  Schlacht  von
Cressy  auf  Seite  der  Franzosen,  wobei  Deutsche  gegen  Deutsche
1  f.  150.
2  De  praedicto  prineipatn  istum  per  traditionem  istins  eoronae  et  seeptri
praesentialiter  investimus.  f.  154.
3  Siehe  meine  Abhandlung  aus  Avignon  I.
            
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