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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 91. Band, (Jahrgang 1878)

Die  roman.  "Welt  und  ihr  Verhältnis«  zu  den  Keforraideen  des  Mittelalters.  371

erklärte  sich  gleich  anfänglich  gegen  jeden  Krieg,  der  von
Seiten  der  römischen  oder  einer  anderen  Kirche  geführt  werde,
gegen  den  Gebrauch  des  materiellen  Schwertes  von  Seiten  der
Kirche.  Kein  Geistlicher,  am  wenigsten  aber  ein  Religiöser
solle  einer  Pfründe  wegen  den  päpstlichen  Hof  besuchen,  wodurch ­
  er  den  Tross  der  Stellenjäger  ferne  zu  halten  hoffte,
der  bisher  Avignon  erfüllte;  ebensowenig  sollten  diejenigen
sich  daselbst  einfinden,  die  dadurch  Befreiung  der  von  ihren
Vorgesetzten  ihnen  auferlegten  Strafen  zu  erhalten  hofften.  Das
Almosen  der  päpstlichen  Mensa,  in  welches  sich  bisher  das
Hausgesinde  des  Papstes  (familiäres)  getheilt  und  wovon  wohl
hundert  Personen  leben  konnten,  stellte  er  den  Armen  zurück.
Die  am  Hofe  lebenden  Prälaten  entliess  er  und  gebot  ihnen,
hei  ihren  canonischen  Sitzen  zu  bleiben;  den  kranken  Clerikern
  am  Hofe  ertheilte  er  das  Recht  zu  testiren  und  schützte
dadurch  ihre  Habe  vor  Plünderung,  wie  das  bisher  Sitte  war.
Er  verbot  unter  Strafe  des  Anathems  den  Gebrauch  der  Parteinamen ­
  Guelfen  und  Ghibellinen. 1  Er  wies  den  päpstlichen
Caplänen  eine  gemeinsame  Lebensordnung  au,  den  Kathedralkirchen
  die  freie  Wahl  der  Erzbischöfe  und  Bischöfe  und
100.000  fl.  den  Römern,  um  die  abgebrannte  Kirche  St.  Johannes ­
  im  Lateran  und  den  päpstlichen  Palast  in  Rom  wieder
herzustellen.  Im  Gegensätze  zu  der  in  Deutschland  herrschenden ­
  Anschauung  erwies  er  sich  gegen  den  König  von  Frankreich ­
  hart  und  verweigerte  ihm  den  verlangten  kirchlichen
Zehent,  so  dass  K.  Philipp  in  grossem  Unmuthe  Avignon  verliess.
  Er  vernichtete  die  zahlreichen  Commenden  seines  Vorgängers ­
  und  sprach  somit,  indem  er  so  vieles  von  demjenigen
beseitigte,  was  dieser  geschaffen,  das  Urtheil  über  die  Thaten
Papst  Johanns  aus.  Dem  deutschen  Könige  gegenüber  beabsichtigte ­
  der  Papst,  welcher  überhaupt  nur  Frieden  und  Versöhnung ­
  wollte  und  dem  jeder  Krieg  ein  Gräuel  war, 2  auch

1  Cum  non  sint  pacis  sed  discordiae  incitamenta.  Cod.  Pal.  971.  Vatic.  3758.
2  Hie  Apostolicus  inultociens  direxit  literas  et  nuncios  Ludovico  Bavaro
lpsum  amonendo  ut  relinqueret  illos  qui  dudum  ab  ecclesia  sunt  excoinmunicati
  et  pro  haereticis  condemnati  et  qui  ipsum  cotidie  faciunt  et
mfonnant  errare  et  rebellare  S.  R.  ecclesiae.  Sed  nunquam  voluit  eos
reliuquere.  Sed  magis  ipsorum  erroribus  credidit,  quam  Omnibus  aliis
fidelibus  catholicis.  —  Ludovicus  ad  partes  lilieni  properat  quomodo  novi
Sitzuugsber.  d.  pbil.-lnst.  CI.  XCI.  Bd.  11.  Hft.  25
            
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