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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 91. Band, (Jahrgang 1878)

Die  roroiin.  Welt  uud  ihr  Verllältniss  zu  den  Ret'ormideen  des  Mittelalters.  363

den  Grund  da  Stätigkeit  inne  ist,  da  findet  er  allein  Ruhe
und  Friede. 1
Hatte  Marsilio  alles  Heil  darin  erblickt,  dass  dem  Kaiser
alle  Macht  zukomme,  wurde  von  Alvarus  Pelagius  alles  Wissen
jener  Tage  aufgeboten,  um  zu  beweisen,  dass  die  Kirche
beide  Schwerter,  das  geistliche  und  das  weltliche  und  der
Kaiser  letzteres  von  der  Kirche  besitze,  der  Papst  der  wahre
Monarch  in  der  Kirche  sei, 2  so  gestaltete  sich  die  wissenschaftliche ­
  Frage  der  Zeit  unter  den  Händen  der  Romanen  zur  Machtfrage, ­
  die  denn  auch  das  Jahrhundert  selbst  durch  den  Verfall
des  Kaiserthums  zum  vollen  Siege  des  romanischen  Papstthums
ausbildete.  Unter  der  Oberfläche,  auf  welcher  sich  die  grossen
Fragen  der  Zeit  bewegen,  geht  jedoch  das  verdeckte  Spiel
der  armen  Evangelischen 3  fort.  Sie  bildeten  die  Gegenkirche,
in  welcher  es  Cardinäle  und  einen  ehrwürdigen  Alten  (venerabile
  antico)  gab.  Sie  behaupteten,  dass  die  ganze  Autorität
der  Kirche  bei  ihnen  allein  zurückgeblieben  sei,  indem  sie
allein  der  Häresie  der  Kirche  Widerstand  leisteten.  Von
Zeit  zu  Zeit  versammelten  sie  sich  in  Rom  um  den  heiligen
Papst  zu  wählen, 4  ohne  jedoch  dadurch  anderes  zu  bezwecken, ­
  als  dass  neue  Verfolgungen  über  sie  verhängt  wurden,
die  sie  jedoch  nur  zu  neuem  thörichten  Beginnen  verleiteten.

1  L.  c.  S.  374.
2  De  planctu  ecclesiae  I,  c.  40:  monarcha  ecclesiasticus,  primus  et  supremus
princeps.
3  Audi  fratricelli  della  povera  vita.
4  Ein  Codex  der  Magliabecchiana  enthält  einen  sehr  interessanten  Brief
über  Aussagen  von  Fratrieellen:  io  era  a  Perugia  nella  fraternith  dove
io  senti  che  i  fratricelli  nel  luogo  loro  aveano  ordinato  tutta  la
chiesa  e  per  tal  segno  dice  eostui  die  quatro  di  loro  mi  pregarono  diio
gli  ne  menassi  alla  badia  mia  per  paura  della  persecutione.  E  dice
ch’egli  fu  detto  da  collaterali  che  F  uno  di  loro  era  fatto  novellamente
Cardinale  e  l’altro  venerabile  antico  mi  disse:  Io  mi  trovai  a  Roma
quando  v’era  Papa  Urbano  (VI.?)  e  vidi  (ibi)  con  gran  furore  fui  preso,
era  chostui  del  terzo  ordine.  In  pro  (primo)  che  i  fratricelli  s’  erano  ragunati
  per  fare  uno  papa,  per  la  quel  cosa  furono  allora  presi  molti  e
se  non  chio  ebbi  grande  aiuto,  io  avrei  provato  il  fuoco.  L’altre
venerabile  antico  e  a  Roma  e  ritiene  molte  genti  e  palesamente  dice,  quante
volte  si  sono  ragunati  i  fratricelli  per  fare  il  papa  Santo.
Cod.  XXXI,  65,  p.  61.
            
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