Die roman. Welt und ilir Verhitltuisß zu den ßeformideen des Mittelalters. 355
1328 gestorben, noch als lebend angenommen wird) sult ir
sprechen, das wir die gern in unser richtung (Aussöhnung)
wollen nemen und mit uns bringen gehorsam dem (römischen)
Stul. Wollten sie des nit volgen, so wollen wir uns ir entzaussen
(entäussern) und sie fürbas nit mehr schirmen. Und
daucht dann dem (römischen) Stul, das sie icht (etwas) theten
das wider den Glauben wäre, sprach uns der Stul darum zue,
so wollen wir den glauben schirmen, d. h. sie als Häretiker
der Strafe überliefern. Ir mögt auch fürgeben, hiess es ferner,
von unser wegen da wir vnser Appellation machten vnd öffneten
(veröffentlichten) das wir mit Namen aussnamen, das wir
vns vmb der Parfüsserkrieg, den sie von gots Armut
habent, nichts annehmen vnd auch dass nit sweren wollen als
wir erzugen mit vnserm rat ob sie not geschieht.
Zehn Jahre später, als Ludwig bei Papst Clemens VI.
seine Unterwerfung beantrag, war von Michael von Cesena,
Marsilius, Johann von Jandun nur insoferne noch die Rede,
dass Ludwig seine Reue ausdrückte, sie gehegt zu haben.
Michael hatte bereits in der demüthigsten Weise seinen Frieden
mit dem Papste gemacht, ihn anerkannt, seine tiefe Reue über
seinen Abfall und sein ganzes Treiben, seitdem er Tivoli verlassen,
in Form einer Paraphrase des Psalmes miserere ausgesprochen.
Was Wilhelm von Ocham und Heinrich von Thalham betraf,
so liess der Kaiser durch seinen Gesandten versprechen, er
wolle sie und alle ihre Anhänger, wenn sie nicht alle Untreue
und alles Schisma aufgäben, vertreiben (expellat), ja er liess
darauf einen Eid leisten und fügte am 18. September 1343
die Versicherung hinzu, er wolle sie vertilgen (extirpandis).
Das allein fehlte noch zum Triumphe des romanischen Papstes.
Es ist keine Unehre für Michael, wenn er zu besserer
Einsicht gelangt, seinen Fehler bekannte. Auch Bruder Bonagrazia,
der im Jahre 1322 so wesentlichen Antheil an dem
Streit genommen, machte zuletzt seinen Frieden mit dem
römischen Stuhle. Wilhelm von Ocham, über dessen Schriften
erst eine gründliche Untersuchung einzutreten hat, ehe von
seinem Auftreten genügende Kunde gegeben werden kann,
überlebte seine Gefährten im Barfüsserkriege. Als das Jahr
1349 kam, hörte man noch einmal die Theorie verkündigen,
dass der Papst nach göttlichem und menschlichem Rechte dem
Sitzungsber. d. phil.-hist. CI. XCI. Bd. II. Hft. 2t