Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 91. Band, (Jahrgang 1878)

354

H  ö  f  1  e  r.

dem  französischen  Boden,  siebenhundert  Minoriten  verliessen
das  Königreich  und  zerstreuten  sich,  tiefen  Groll  im  Herzen,
über  die  christliche  Welt.  Hundertvierzehn  fielen  ihrer  Hartnäckigkeit ­
  zum  Opfer.  In  Deutschland  erlagen  die  Gerardianer
und  mit  ihnen  die  Predigermönche,  die  auf  Seite  des  Papstes
aushielten.  Im  Gänzen  aber  bereitete  das  Schisma  der  Franciskaner
  den  Dominikanern  das  Uebergewicht.  In  ihre  Hände
fällt  seitdem  das  officium  inquisitionis  haereticae  pravitatis.
Die  Sache  hatte  noch  ein  eigenthümliches  Nachspiel.
Papst  Johann,  klein  von  Gestalt,  unermüdlich  thätig,  voll
Verstand,  Leben  und  Kenntnissen,  hatte  nicht  gezögert,  Ludwig ­
  die  Siegesfreude  über  das  anfängliche  Gelingen  seiner
italienischen  Pläne  zu  verderben.  Die  Bulle:  dudum  per  facti
evidentiam  vom  31.  März  1328  vernichtet  alle  seine  Handlungen
als  Kaiser,  die  Krönung  wie  seine  römischen  Verfügungen  und
erhärtete  aufs  Neue  den  Satz,  dass  das  Kaiserthum  erledigt  sei,
die  Verwaltung  desselben  somit  dein  Papst  angehöre.  Ja,
Ludwig  sei  weder  Kaiser  noch  König,  weder  Herzog  noch
Graf.  Es  war  die  Antwort  des  Jacob  von  Gabors,  der  nicht
Papst,  sondern  Häretiker  sei.  Auf  die  Constitutionen  Ludwigs
vom  18.  April  und  12.  December  1328  erfolgte  die  päpstliche
Constitution  vom  20.  April  1329:  ad  communem  notitiam.
Michael  und  die  Seinen  hatten  das  Schlachtfeld  verändert,
Deutschland  aufzuwühlen  beschlossen.  Die  Constitution  beschäftigte ­
  sich  vorzüglich  mit  der  Verbindung  Ludwigs  mit  Michael
von  Cesena,  indem  in  Deutschland  und  Italien  ein  Buch  verbreitet ­
  ward,  das  die  Erklärung  des  Papstes  über  die  Armuth
Christi  als  häretisch  bezeichnete  und  den  Zusatz  enthielt,  Ludwig ­
  habe  in  Gegenwart  Vieler  eidlich  versichert,  er  halte  den
Inhalt  des  Buches  für  wahr.  Der  Umschlag  der  Dinge  liess
nicht  lange  auf  sich  warten.  Schon  im  nächstfolgenden  Jahre
liess  der  Kaiser  auf  der  Grundlage  der  Aufgebung  seines
Gegenpapstes  und  der  Anerkennung  des  häretischen  Jacob  vou
Cahors,  des  Widerrufs  seiner  Appellation  und  der  übrigen
Maassregeln  in  Rom  und  Pisa  mit  Johann  XXII.  unterhandeln.
In  der  1331  deshalb  für  die  kaiserlichen  Unterhändler  erlassenen ­
  Instruction  hiess  es  dann  ausdrücklich:  umb  die  Parfüsser
  (Minoriten)  und  um  Marsili  (der  also  im  Gegensätze  zu
Villani’s  Behauptung,  er  sei  in  Montalto  Anfangs  September
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.