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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 91. Band, (Jahrgang 1878)

Die  roman.  Welt  und  ilir  Verhältnis**  zu  den  Ttet'orinideen  des  Mittelalters.

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gelang’,  den  Gemahl  wie  den  Bruder  umzustimmen,  für  die  Sache
der  Spiritualen  zu  gewinnen,  worauf  Apulien  die  Zufluchtsstätte
der  Brüder  wurde,  die  das  Kleid  des  hl.  Franciscus  trugen
und  die  Regel  in  aller  Strenge  beobachteten.  Ihre  Niederlassungen ­
  wurden  die  Zufluchtsstätte  der  aus  anderen  Ländern
Vertriebenen,  und  während  K.  Robert  als  Haupt  der  Guelfen
den  Baiern  bekämpfte,  beschirmte  er  zu  Hause  die  Lieblinge
seiner  Gemahlin  und  schrieb  selbst  einen  Tractat  über  die
Armuth  Christi.  Selbst  in  dem  guelfischen  Florenz  fanden  die
Spiritualen  Unterstützung.  Als  daselbst  Bruder  Simon  die
Lehre  von  der  unbedingten  Entsagung  alles  Eigenthums  von
der  Kanzel  herab  mit  allem  Eifer  vertheidig-te,  gerieth  er  mit
den  Predigermönchen  von  St.  Maria  Novella  in  Conflict,  so
dass  er  fürchtete,  vor  die  Inquisition  gezogen  zu  werden.  Ihr
zuvorzukommen,  begab  er  sich  zu  der  Signoria  und  beschwerte
sich,  man  lasse  ihn  nicht  ruhig  predigen.  Auf  dies  veranstalteten ­
  die  Rathsherren  eine  Disputation  zwischen  Bruder  Simon
und  seinen  Gegnern 4  und  als  jener  siegte,  konnte  er  unter
dem  Schutze  der  Signoria  noch  eifriger  predigen  als  vorher. 1
Und  doch  galt  Florenz  als  die  eigentlichen  Burg  der  Guelfen.
Die  bedeutendsten  Männer  des  Ordens  rückten  gegen  den
Papst  in  das  Feld.  Sie  waren  freilich  der  Meinung,  dass  die
römische  Sentenz  Ludwigs,  deren  Beobachtung  er  selbst  bei
Strafe  geboten  habe,  nicht  hinreiche,  die  Irrthümer  Papst
Johanns  nicht  genügend  hervorgehoben  worden  seien.  Die
Sentenz  wurde  daher  umgegossen,  drei  weitläufige  Artikel
hinzugefügt  und  das  Ganze  mit  dem  alten  Datum  in  Pisa
publicirt. 2  Diese  doppelte  Redaction  ein  und  desselben  Documentes
  bewirkte  auch,  dass  in  den  verschiedenen  Schriftstellern
keine  Uebereinstimmung  in  Betreff  des  Textes  herrscht.
Man  sieht  deutlich,  nach  der  Meinung  Michelino’s  war
man  in  Rom  zu  hastig,  nicht  gründlich  genug  vorgegangen.
Der  begangene  Fehler  musste  gut  gemacht  werden.  Offenbar
unter  Michelino’s  Einfluss  hielt  der  gebannte  Kaiser  am  13.  December
  1328  ein  grosses  Parlament  in  Pisa.  Jetzt  trat  nicht
1  Cod.  Magliab.  XXXIV,  76,  p.  112.
2  Appellatio  authentica  fratris  Michaelis  de  Cesena.  1328.  Pisis.  Cod.  Vatic.
Rom.  J.  38.  Kopp  hat  bereits  bemerkt,  dass  Villani  eine  andere  Recension
  vor  sich  hatte  als  wir.  (Vergl.  ßaluze,  V.  P,  A.  II,  523—541.)
            
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