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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 91. Band, (Jahrgang 1878)

Dio  roman.  Welt  und  ihr  Verhältnis«  zu  den  Refonnideen  des  Mittelalters.  345

erliess  der  neue  Papst  für  Geld  Privilegien,  ertheilte  seinen
Anhängern  Beneficien,  entsetzte  die  im  rechtlichen  Besitze
Befindlichen  und  schaltete  von  Sanct  Peter  aus  mit  Willkür.
Der  Kaiser  aber,  welchem  kurz  vorher  (7.  Mai)  die  Kaiserin
einen  Sohn  geschenkt,  Ludwig  den  Börner,  überliess  Sanct  Peter
dem  Papste  und  dessen  Cardinälen  und  zog,  den  Eintritt
der  heissen  Jahreszeit  fürchtend  und  selbst  wohl  bereits  Gedanken ­
  der  Heimkehr  in  sich  tragend,  nach  Tivoli.  17.  Mai.
Schon  am  13.  hatten  vierzehn  neapolitanische  Galeren  —•  Ostia
wieder  genommen,  die  Mündung  des  Tiber  besetzt  und  waren
dann  plündernd  bis  vor  San  Paolo  gedrungen.  800  deutsche
Ritter  in  Verbindung  mit  Römern,  die  Ostia  befreien  sollten,
hatten  dagegen  nichts  ausgerichtet.  Wahrscheinlich  trug  auch
dieser  Umstand  bei,  dass  Ludwig  sich  von  Rom  weg  nach
Tivoli  zog,  wo  ihm  die  Zufuhr  aus  der  Sabina  offen  stand.
Er  kehrte  am  21.  Mai  wieder  zurück,  wurde  am  Lateran  von
dem  Papste  und  seinen  Cardinälen  empfangen  und  begab  sich
nun  nach  Sanct  Peter,  wo  er  zuerst  dem  Gegenpapste  das
päpstliche  Baret  aufsetzte,  dann  letzterer  ihn  krönte.  Ludwig
schienen  selbst  über  die  Rechtmässigkeit  der  ersten  Krönung-Bedenken
  gekommen  zu  sein.  Das  Kaiserthum  bedurfte  seiner
Natur  nach  des  Papstthums,  es  war  auf  die  Krönung  durch  den
Papst  angewiesen.  Jetzt  war  sie  freilich  in  sehr  eigenthümlicher
  Weise  erfolgt  (22.  Mai).  1  Wenn  der  Welt  durch  einen
italienischen  Papst  geholfen  war,  so  war  die  Rettungnahe,
  als  der  Baier  ihr  statt  eines  Franzosen  einen  Corbaresen
  gab.  Der  neue  Papst,  welcher,  wie  Cölestin  V.,  den
grossen  Sprung  vom  armen  Bruder  zum  Universalbischof
gemacht  hatte,  allein  mit  etwas  weniger  Berechtigung  als
dieser,  wenngleich  mit  ähnlichem  Ende,  benahm  sich,  als
hätten  seine  reichen  Vorgänger  nur  für  ihn  das  Bett  zurecht
gerichtet.  Leider  haben  wir,  da  die  Römer  nachher  alles
vernichteten,  was  sich  auf  ihn  bezog,  nur  fragmentarische
Kunde  seiner  Wirksamkeit.  Er  ernannte  einen  Gliibellinen
zum  Grafen  der  Mark,  einen  zweiten  zum  Grafen  der  Campagna,
  einen  dritten  zum  Herzog  von  Spoleto  und  Legaten

1  Villani  X  c.  75.  Peter  erzählt  in  seiner  Revocation,  der  Bischof  von
Castello  habe  ihn  consecrirt,  Ludwig  ihn  gekrönt.  Rayn.  1330,  n.  16.
            
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