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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 91. Band, (Jahrgang 1878)

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Höfler.

auf  welcher  sich  das  Papstthum  ohne  Kaiserthum  befand.
Wie  letzteres  nach  dem  Untergänge  der  Hohenstaufen  sich
um  jeden  Preis  um  einen  advocatus  ecclesiae  umsehen  musste,
musste  das  Kaiserthum,  als  es  eine  ähnliche  doctrinelle  Höhe
erklommen  und  sich  nun  wie  auf  einem  Gletscher  niedergelassen
hatte,  einen  Papst  schaffen.  Niemals  empfand  dasselbe  das
Unbefriedigende  seiner  doctrinellen  Allmacht  stärker,  als
in  dem  Momente,  in  welchem  es  Alles  und  Alles  umfassen
sollte,  selbst  aber  nicht,  wie  das  Papstthum  auch  nur  einen
legalen  Boden  besass.  Es  befand  sich  damals  mit  den  Mönchen,
die  trotz  der  bestimmten  Abmahnung  des  Cardinallegaten
Theodor  die  interdicirte  Stadt  nicht  verlassen  hatten,  auch
der  Minorit  Pietro  Rainalducci,  nach  den  Einen  von  Corvara,
zwischen  Tivoli  und  den  Abruzzen,  nach  den  Andern  von  Corbaro
  bei  Orvieto.  Er  hatte  sich,  wie  Bernardus  erzählt,  mit
einer  gewissen  Johanna,  Tochter  des  Mathäus  von  Corbaro  (bei
Orvieto)  verheiratet.  Nach  fünfjähriger  Ehe  behagte  ihm  diese
Verbindung  nicht  mehr.  Er  trat  in  den  Orden  der  Minderbrüder,
jedoch  im  Streite  mit  seiner  Frau,  so  dass  es  darüber  zum  Processe
  kam,  welcher  vor  dem  Bischof  von  Rieti  geführt  wurde.
Er  war  als  Ordensmann  nach  Ara  Coeli,  in  das  grosse  Miuoritenkloster
  in  Rom  gekommen  und  hatte  dort  äusserlich  ein  erbauliches ­
  Leben  geführt,  dabei  aber  sich  selbst  nicht  vergessen, 1
galt  aber  bei  den  römischen  Frauen,  die  bei  ihm  ein-  und  ausliefen, ­
  als  Gottesmann,  was  freilich  nicht  hinderte,  dass  in  Betreff ­
  der  Armuth  wie  der  Keuschheit  bei  seinen  Oberen  für  ihn
nicht  ganz  günstige  Gerüchte  entstanden.  Er  war  endlich  Assistent ­
  Fra  Michelino’s  geworden  und  es  ist  gewiss  keine  leere
Vermuthung,  dass  die  Rolle,  welche  er  von  dem  Einzüge  Ludwigs ­
  in  Rom  an  spielte,  im  Einverständnisse  mit  jenem  stattfand,
Fra  Michelino  in  Avignon  auf  das  Genaueste  von  dem  unterrichtet ­
  war,  was  in  Rom  vorging.  Bruder  Peter  machte  sich
kein  Gewissen  daraus,  in  der  interdicirten  Stadt  zurückzubleiben, ­
  selbst  Messe  zu  lesen,  hatte  damit,  während  sein
Ordensmeister  in  Avignon  noch  den  ,Sohn  des  Gehorsams'

1  Alvarus  Pelagius  de  planctu  ecclesiae  (geschrieben  1332  in  Avignon,
revidirt  in  Ramea  in  Algarve  1335,  in  S.  Jago  da  Campostelia  1341.
            
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