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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 91. Band, (Jahrgang 1878)

Die  rornau.  Welt  und  ilir  Verliiiltniss  zu  den  Reformideen  des  Mittelalters.  333

blos  der  historischen  Stellung  des  Papstthums,  sondern  auch
der  dogmatischen  zu  zerstören,  so  waren  Augustin  Triomfo  1 1320
und  Ptolemäus  von  Lucca  (1318  Bischof  von  Torcello)  mit  dem
freilich  oft  sehr  dürftigen  historischen  Materiale  bemüht,  die
Resultate  vieler  Jahrhunderte,  das  allmälig  in  dem  Laufe  der
Geschichte  Gewordene  als  primitive  Einrichtung  darzustellen
und  wenn  Ludwig  der  Baier  in  seinem  Streite  mit  Johann  XXII.
um  die  Gerechtsame  des  Kaiserthums  sich  auf  Marsilio  und
Johann  von  Jandunum  stützte,  that  der  Papst  von  seinem
Standpunkte  aus  mit  den  Beweisführungen  seiner  Anhänger  das
Gleiche.  Die  neue  Schlacht  zwischen  Kaiserthum  und  Papstthum ­
  wurde  auf  dem  literarischen  Gebiete  eröffnet.  Je  mehr
aber  der  Streit  sich  zwischen  K.  Ludwig  und  Papst  Johann
erhitzte,  desto  mehr  fühlte  sich  der  mit  den  Verfügungen
Johannes  XXII.  unzufriedene  Theil  der  Franciskaner  berufen,
sich  auf  Seite  K.  Ludwigs  zu  stellen  und  als  derselbe  sich  1327
von  Trient  aus  rasch  in  die  Arme  der  Ghibellinen  warf  und
den  Zug  nach  Mailand,  dann  nach  Rom  unternahm,  waren  es
Franciskaner,  welche  ihm  als  Boten  und  Unterhändler  dienten,
ihm  den  Weg  nach  Italien  bereiteten.  Es  ist  nicht  denkbar,
dass  man  dieses  in  Avignon  nicht  wusste  und  wenn  ebendeshalb
der  Papst  den  Bruder  Michelino  (Michael  von  Cesena,  den
Ordensgeneral)  aus  Italien  zu  sich  berief,  so  that  er  nur,
was  Vorsicht  und  Klugheit  geboten.  Bruder  Michael  befand
sich  damals  krank  in  Tivoli  bei  dem  Bischöfe  Johann.  Er
sandte  als  Antwort  auf  die  Berufung  erst  ein  Entschuldigungsschreiben, ­
  dann  einen  Bruder,  hierauf  im  Juli  1327  den  Bruder
Johann  von  Figantia,  Inquisitor  und  Custos  von  Perugia,  nach
Avignon  und  bewirkte  dadurch,  dass  der  Papst  ihn  der  ersten
Verpflichtung,  binnen  dreissig  Tagen  in  Avignon  zu  erscheinen,
enthob.  Wie  er  selbst  nachher  seine  Bereitwilligkeit,  dem  päpstlichen ­
  Befehle  zu  entsprechen,  hervorhob,  so  war  auch  der
äussere  Anschein  dafür.  Nur  bekannte  er  später  selbst,  während
er  krank  im  Convente  von  Tivoli  gelegen,  sei  der  Satan  in
ihn  gefahren  und  er  der  ärgste  Schurke  geworden.  Er  nahm
auch  seinen  Assistenten,  den  Bruder  Peter  von  Corbaro,  nicht

1  Summa  de  potestate  ecclesiastica  edita  1820  (Romae  1584  f.).  Augustinus
starb  1328.  Er  schrieb  auch  super  facto  Templariorum.
            
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