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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 91. Band, (Jahrgang 1878)

Die  roman.  Welt  und  ihr  Verhaltniss  zu  den  Reformideen  des  Mittelalters.

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Dynastie  geändert  worden,  da  auf  das  normännische  Königthum ­
  das  staufische,  auf  dieses  das  anjovinisclie  gekommen
war,  in  Sicilien  eine  aragonesische  Dynastie  von  Trinakria,
in  Corsica  und  Sardinien  die  aragonesische  Hauptlinie  herrschten.
Die  zahlreichen  Kaiserlehen  und  kaiserlichen  Territorien  waren
ohne  Lehensoberhaupt  und  gewöhnten  sich  an  eine  Ungebundenheit, ­
  die  der  Anarchie  gleichkam,  die  Reichsstädte  emancipirten
  sich  mehr  und  mehr  vom  Reiche,  dessen  Repräsentant
unsichtbar  geworden  war.  Der  grosse  und  für  die  Freiheit
Italiens  so  bedeutende  Kampf  der  italienischen  Städte  wider
die  Kaiser  schien  nur  vorhanden  gewesen  zu  sein,  um  einheimischen ­
  Geschlechtern  den  Weg  zur  Tyrannei  zu  bahnen
und  Italien  in  Zustände  zu  versenken,  die  denen  ähnelten,
welche  in  Althellas  zur  Zeit  des  Unterganges  der  Städtefreiheit ­
  zum  Vorschein  gekommen  waren.  Der  politischen  Geschlossenheit ­
  gegenüber,  wie  sie  Frankreich  trotz  der  Verschiedenheit ­
  seiner  Bevölkerung  darbot, 1  gewährte  Italien  nur
das  Bild  eines  wirren  nationalen  Lebens.  Erst  jetzt  erhoben  Dante,
Jacopone,  Cino,  die  Sprache  zur  dichterischen;  das  nationale
Leben  ging  in  den  erbitterten  Kämpfen  der  Guelfen  und  Ghibellinen,
  der  traurigen  Verlassenschaft  des  staufischen  Kaiserthums
unter,  und  als  ob  dieser  Vernichtungskampf  nicht  hinreiche
Italiens  Mark  zu  verzehren,  gesellten  sich  dazu  noch  die  Kämpfe
um  das  Principat.  Im  August  1284  erlitten  die  Pisaner  durch
die  Genuesen  die  grosse  Niederlage  zur  See  bei  der  Klippe  la
Meloria, 2  die  ihre  Macht  brach.  Sie  war  mindestens  so  bedeutend,
als  eine  jener  grossen  Schlachten,  die  seit  1282  um  Sicilien ­
  geliefert  wurden,  dessen  Geschicke  schon  damals  Italien
zum  Zankapfel  der  Franzosen,  Aragonesen  und  Italiener
machten.  Das  Plans  Anjou  stützte  sich  auf  Frankreich,  die
Könige  von  Trinakria  suchten  sich  an  den  römischen  König
anzuschliessen,  wenn  es  einen  solchen  gab.  Doch  hatte  man

1  Von  Joliann  XXTT.  sagen  gleichzeitige  vaticanisehe  Aufzeichnungen:
abhorret  Papa  ludibriosos  cantus  Gallicorum  in  qnibus  vix  intelligitur
quid  profei'tur,  vel  potius  latratur  et  praecipit  sub  poenis  hie  contentis
quod  in  divinis  saltem  horis  plcne  et  devote  ac  secundum  antiqmim  et  pulcriorem
  modum  altissimo  Domino  nostro  cantetur.
2  Villani  VII,  c.  92.
Sitzungsber.  d.  phil.-hist.  CI.  XC1.  Bd.  U.  Hft.

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