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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 91. Band, (Jahrgang 1878)

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Höflur.

aber,  Karl  Martell  (1290)  König  von  Ungarn  und  Gründer  des
Königshauses  der  Anjous  daselbst  wurde,  während  Robert
(Karls  II.  f  1309  dritter  Sohn)  in  Neapel  nachfolgte  (f  1343).
Vor  Allem  aber  schien  das  französische  Königthum  Mittelpunkt
der  romanischen  Macht  zu  werden,  da  das  Haus  Anjou  nur
ein  Zweig  desselben  war,  K.  Philipp  III.  auf  dem  Punkte  stand,
Aragon  zu  erwerben  und  durch  Bianca  von  Castilien,  K.  Ludwigs ­
  IX.  Tochter,  Philipps  III.  Schwester,  als  sie  den  Thronerben
von  Castilien,  Ferdinand  de  la  Cerda,  heirathete,  der  französische
Einfluss  auch  nach  dieser  Seite  gesichert  schien.  Allein  die  Erwerbung ­
  Aragons  endigte  mit  der  Niederlage  K.  Philipps  III.,
Don  Fernando  starb  vor  seinem  Vater,  schon  1276,  und  seine
Kinder  wurden  durch  ihren  Oheim  Sancho  IV.  (f  1296)  entthront. ­
  Doch  wurde  wenigstens  Navarra  von  K.  Philipp  IV.  erworben ­
  1  und  war  das  Uebergewicht  der  Franzosen  auch  in
Italien  so  gross,  dass  der  Papst  selbst  im  festen  Anagni  nicht
sicher  vor  ihnen  war.  Mit  grosser  Consequenz  war  das  Haus
Anjou  vorangegangen.  Es  hatte  sich  an  die  Spitze  der  Guelfen
Italiens  gestellt,  in  Toscana  übermächtigen  Einfluss  gewonnen,
in  Rom  die  Senatorswürde;  es  hatte  die  Wiederherstellung
des  Kaiserthums  nach  Kräften  verhindert,  endlich  den  kühnen
Plan  durchgeführt,  das  Papstthum  von  Rom  nach  Neapel  zu
verlegen,  so  dass  Karl  II.  eigentlich  der  Lehrmeister  K.  Philipps ­
  IV.  geworden  war.  Der  Streit  des  letzteren  mit  Papst
Bonifacius  hatte  dann  der  Abneigung  der  Franzosen  gegen
die  Italiener  neue  Nahrung  gegeben  und  zum  Beschlüsse  geführt, ­
  das  Uebergewicht  der  letzteren  auch  auf  dem  Gebiete
zu  brechen,  das  es  bisher  beinahe  ausschliesslich  beherrschte,
dem  Papstthume.
Unter  diesen  Verhältnissen  war  es,  dass  Pierre  Dubois
jene  Schriften  ausarbeitete,  welche  ein  bleibendes  Denkmal  des
Umfanges  und  der  Kühnheit  der  Pläne  der  französischen
Politik  geworden  sind.  Sie  umspannte  bereits  den  grössten
Theil  der  damaligen  Welt.  Da  sollte  die  Würde  eines  Senators
von  Rom  K.  Philipp  IV.  erhalten,  das  Patrimonium  des  hl.  Petrus

1  Es  trug,  wie  wir  aus  Pierre  Dubois  de  recuperatione  terra  sanctae  erfahren, ­
  50  000  kleine  turon.  Pfund  jährlich  ;  der  König  empfing  aber  davon
kaum  50.000  Solidi,  p.  331.
            
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