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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 91. Band, (Jahrgang 1878)

Die  roman.  Welt  und  ihr  Verliiiltmss  zu  den  Reformideen  dee  Mittelalters.  315

Lehenseid  sei  und  wurde  in  die  Clementinen  aufgenommen.
Clemens  wandte  sich  bereits  nach  Avignon, 1  gedachte  aber
seinen  Aufenthalt  in  Bordeaux  und  der  Gascogne  zu  nehmen,
als  er  auf  dem  Wege  dahin  am  20.  April  1314  zu  Roquemaure
  an  der  Rhone  nicht  ganz  ein  Monat  nach  der  Hinrichtung ­
  Jaques  de  Molay  und  des  Grosspräceptors  der  Normandie ­
  starb. 2  Der  Schatz,  den  er  für  einen  Kreuzzug
gesammelt,  wurde  von  zweien  seiner  Neffen  und  der  päpstlichen ­
  Dienerschaft  geplündert,  die  Leiche  verbrannte  mit  der
Kirche,  in  der  sie  aufgebahrt  war.  Jetzt  wurden  die  italienischen ­
  Cardinäle  mit  dem  Tode  bedroht.  Moriantur  Cardinales
Italici  schrien  die  Gascogner.  Die  italienischen  Cardinäle  ihres
Lebens  in  Carpentras  nicht  sicher,  flohen  nach  Yalence  und
erliessen  von  da  ein  Klageschreiben  3  (8.  September  1314).  Der
Urheber  der  Wahl  Papsts  Clemens  V.,  der  Cardinal  Napoleone,
klagte,  Rom  sei  zur  Ruine  geworden,  der  Stuhl  Petri  zerbrochen, ­
  das  Patrimonium  geplündert;  es  gebe  keine  Präbende,
geschweige  eine  Cathedrale,  die  nicht  um  Geld  oder  aus
Familienrücksichten  vergeben  würde.  Der  Cardinal  konnte  den
König  so  viel  er  wollte  versichern,  es  sei  nicht  seine  Absicht
gewesen,  dass  der  römische  Stuhl  vom  Heiligthume  der  Apostel
weggebracht  werde,  die  Folgen  seiner  That  lagen  nicht  mehr  in
seiner  Hand.  Den  24  französischen  Cardinälen  gegenüber,  die
Clemens  V.  ernannt,  waren  die  italienischen  nur  mehr  ein
Bruchtheil;  wie  sie  selbst  sagten,  gleich  irdenen  Geschirren
bei  Seite  geworfen. 4  Sie  zählten  den  Franzosen,  den  Provencalen,
  den  Liinosinern  gegenüber  im  Cardinalscollegium  nur
mehr  als  ein  Viertheil  und  doch  noch  immer  mehr  als  die
Deutschen  und  übrigen  Nationen,  welche  ganz  davon  ausgeschlossen ­
  waren.  Als  sie  aber  nicht  mehr  herrschten,  fühlten
sie  sich  zurückgesetzt.  Herrschten  aber  sie  nicht,  so  herrschten

1  Seine  Hofhaltung  war  jedoch  zu  Carpentras,  wo  auch  nach  seinem  Tode
zuerst  das  Conclave  stattfand.  Daun  wurde  es  in  Lyon  gehalten  und
dort  Jacob  de  Eusa  (Osa)  gewählt.  Hefele  Vf,  S.  504,  503.
2  Post  multos  labores  anxietates  et  tribulationes.  VI,  VitaClementis  V.,  Baluze
I,  p.  110.
3  Baluze,  V.  Pap.  Av.  II,  p.  286.
4  Baluze  II,  n.  XLII,  p.  293.
            
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