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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 91. Band, (Jahrgang 1878)

Die  roman.  Welt  und  ihr  Verhältnis*)  zu  den  Keformideen  des  Mittelalters.  313

gewählt. 1  Clemens  V.,  von  den  Cardinälen  nach  Italien  entboten,
berief  sie  aber  zur  Krönung  nach  Lyon,  die  denn  auch  dort,
auf  noch  arelatischem  Grunde  und  Boden  14.  November  1305
stattfand.  Damit  war  der  für  das  vierzehnte  Jahrhundert
entscheidende  Schritt  geschehen.  Das  romanische  Papstthum ­
  wanderte  über  die  Alpen.  Italien  wurde  Nebenland.
Schärfer  als  je  unter  den  Hohenstaufen  waren  so  unter
dem  Capetinger  Philipp  und  dem  anangnesischen  Papste  zwei
Principien  aneinander  gerathen.  Die  berühmte  Constätutio:
unam  sanctam 2  hatte  den  Satz  ausgesprochen,  dass  beide
Schwerter,  das  geistliche  und  das  weltliche  in  der  Macht  der
Kirche  lägen, 3  das  erstere  von  ihr,  das  zweite  für  sie  zu  gebrauchen, ­
  das  eine  in  den  Händen  des  Priesters,  das  andere
in  denen  des  Königs  und  der  Ritter  sich  befände;  dass  die
weltliche  Autorität  der  geistlichen 4  Macht  unterworfen  sein
müsse,  die  geistliche  Gewalt  die  irdische  Gewalt  einzusetzen
und  zu  richten  habe, 5  indem  alle  Gewalt  von  Gott  sei,  was
aber  von  Gott  ist,  auch  geordnet  und  eben  deshalb  das
eine  Schwert  dem  andern  unterworfen  sei.  Die  Theorie  und
ihre  Folgerung  hatten  rascher  als  man  glaubte,  ihre  bitteren
Früchte  getragen.  Plätte  sich  Iv.  Philipp  IV.  begnügt,  die
Unabhängigkeit  Frankreichs  vom  römischen  Stuhle  auszusprechen ­
  ,  den  allgemeinen  Sätzen,  welche  als  Theorie  das
Mittelalter  anerkannte,  beizustimmen,  .  so  wäre  die  heftige
Wirkung  des  Streites  wohl  vermieden  worden;  allein  der
König  kannt»  für  sich  weder  Gesetz  noch  Schranken.  Er
bedrückte  die  französische  Kirche  wie  seine  Unterthanen  auf
das  Aeusserste,  verschlechterte  die  Münze,  verweigerte  die
Gerechtigkeit,  beschäftigte  sich  mit  grossen  Säcularisationsplänen
  und  Aufrichtung  einer  Herrschaft,  die  keine  Schranken ­
  eines  natürlichen  menschlichen  oder  göttlichen  Rechtes
1  lieber  die  Märchen  des  Villani,  Hefele,  Conciliengescbichte  VI,  300  ff.
2  Later.  XIV  eal.  Decembris  anno  VIII.  Kayn.  anu.  1302.  13,  Hefele  VI,
S.  316  (18.  November  1302).
3  In  potestate  ecclesiae.
4  Temporalem  auetoritatem  spirituali  subjici  potestati.
5  Spiritualis  potestas  terrenam  potestatem  instituere  habet  et  judicare.
            
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