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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 91. Band, (Jahrgang 1878)

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mit  dein  hi.  Franz  seinen  Anfang  genommen  und  die  letzten
Zeiten,  damit  auch  die  Bekehrung  der  Juden  bringe.  Der
Papst  ward  zum  zweiten  Nero  und  Simon  Magus,  der  ganze
Stand  der  Kirche  aber  vollständiger  Vernichtung  überantwortet. 1
Franciscus  werde  dann  wie  Christus  wieder  erstehen  2  und  die
allgemeine  Bekehrung  erfolgen.  Mit  einem  Male  erwuchs
gerade  aus  dem  Orden,  welcher  mehr  als  jeder  andere  berufen
zu  sein  schien,  Laien  und  Geistliche  zu  einigen,  den  bisherigen ­
  Zwiespalt  der  Welt  zu  versöhnen,  eine  grössere  Freiheit
der  Denkungsart  zu  erzeugen,  die  allergrösste  Gefahr  vollständiger ­
  geistiger  Verworrenheit  und  eines  Aufgehens  von
Vernunft  und  Freiheit  in  mystischen  Speculationen  hervor,  ohne
alle  wissenschaftliche  Basis,  in  willkürlich  phantastische  Gebilde, ­
  die  aber  einen  geradezu  revolutionären  Charakter  annahmen.
  Bereits  bildete  sich  unter  Gerardus  Segarelli  ein
eigener  Apostelorden  auf  eigene  Faust.  Dulcino,  der  geistige
Vorläufer  der  Taboriten,  sammelte  eine  eigene  Gemeinde,  die
die  neue  Ordnung  der  Dinge  mit  Gewalt  durchzuführen  sich
bestrebt  und  durch  die  Gewalt  ihren  Untergang  findet,  1307.
Nur  ein  starres  Festhalten  an  dogmatischer  Einheit  schien  jetzt
bei  der  Auflösung  der  gesammten  Ordnung  der  Dinge  der  allgemeinen ­
  Verwirrung  steuern  zu  können.
Dadurch  wird  begreiflich,  wie  es  kommen  konnte,  dass
bei  dem  grossen  Jubiläum  des  Jahres  1300  Bonifacius  VIII.  als
monarcha  mundi  sich  den  massenhaft  herzuströmenden  Pilgern
an  einem  Tage  mit  der  dreifachen  Krone  auf  dem  Haupte,
am  anderen  Tage  mit  den  kaiserlichen  Insignien  geziert  zeigte.
Nicht  blos  dass  vacante  imperio  der  Papst  das  kaiserliche
Generalvieariat  in  Italien  vergab,  der  Grundsatz,  dass  vacante
imperio  die  Regierung  des  letzteren  dem  Papst  zufalle,  trat
sehr  entschieden  hervor,  und  als  K.  Albrecht  das  Zugeständnis ­
  machte,  das  Recht  einen  römischen  König  zu  wählen,
sei  den  deutschen  Kurfürsten  ebenso  von  Rom  zugekommen
wie  das  Kaiserthum,  mochte  die  deutsche  Nation  sehen,  ob
nicht  eines  Tages  dieses  Geschenk  zurückgenommen  werde.

1  Totus  status  ecclesiae  in  praelatu  et  plebibus  et  religiosis  funditus
evertetur.
2  Resurget  gloriosus.
            
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