Die roman. Welt und ihr Verhültniss zu den Reformideen des Mittelalters. 305
wurde, dass er seinen Neffen verbot nach Rom zu kommen,
und ihnen befahl, im niederen Stande zu verbleiben, dem sie
durch ihre Geburt angehörten. Auch der spätere Martin IV.,
1281—1283, war französischen Ursprungs und verläugnete auch
in seiner Politik den französischen Charakter nicht. Alexander,
Urban und Clemens arbeiteten daran, das staufische Haus, das
bereits Deutschland verloren hatte, auch im sicilianischen
Königreiche zu entfernen und vollendeten durch Berufung des
französischen Prinzen Karl Grafen von Anjou und der Provence,
den Untergang des schwäbischen Hauses in Sicilien, das das
normannische Königshaus nicht einmal ein volles Jahrhundert
überlebte. Nach Clemens IV. dauerte die Vacanz des römischen
Stuhles beinahe drei Jahre, ein Vorgang, der selbst
nicht ohne Nachfolge blieb.
Die zweite Hälfte des dreizehnten Jahrhunderts wird aber
selbst durch das zwar kurze aber unendlich wichtige und
segenreiche Poutificat des Placentiners Theobald, Gregor X.,
1271—1276, in zwei sehr verschiedene Theile getrennt. Gregors
nach allen Seiten ausgreifende reformatorischeThätigkeit und das
Concil zu Lyon, welches er versammelte, und das die Einigung
der römischen und griechischen Kirche ausgesprochen, bildeten
den Wendepunkt derZeit. Die Kreuzzüge hatten auchin kirchlicher
Beziehung die durch den Sieg des Islams und das
griechische Schisma unterbrochene Verbindung des Orientes
mit dem Occidente wieder hergestellt. Es war Gregor X. in
seiner Milde Vorbehalten die Versöhnung zweier Welten auszusprechen.
Er reichte auch dem deutschen Reiche zur Wiederaufrichtung
die Hand, 1 als er nach Kräften dem Königschisma
steuerte, an welchem sich die deutsche Nation unseliger Weise
erfreute, an der Erhebung des Grafen Rudolf von Habsburg
auf den deutschen Königsthron arbeitete und so die Grundlage
der Wiederherstellung des abendländischen Kaiserthumes in
dem Augenblicke wieder gewann, als das byzantinische Kaiserthum
die Einheit der Kirche anerkannte. Man konnte freier
atlnnen, als die grossen allgemeinen Interessen der Christen-1
Coll.ipsi reparationem imperü efficaeiter promovens, wie er selbst an
H. Heinrich von Baiern schreibt. Dictaraina Magistri Bernardi de Napoli
D. Papae notarii. Ms. Vatic. 3977, p. 22.