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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 91. Band, (Jahrgang 1878)

Die  roman.  Welt  und  ihr  Verhältnis  zu  den  Reforraideen  dee  Mittelalters.  297

wurde  ein  Volksbuch,  das  die  Erzählungen  von  Kaiser  Karl
und  dessen  Paladine  in  den  Hintergrund  schob.  Allein  Einsiedler ­
  und  Mönche,  Brüder,  die  auf  Alles  Verzicht  geleistet,
aber  in  ihrer  Freiheit  des  Geistes  auch  frei  einherzogen,  und
eigentliche  Ordensmänner,  die  Ueberzahl  ungelehrter  Laien,
die  barfuss  in  grauen  Gewändern  bis  zum  äussersten  Norden
drangen,  und  diejenigen,  welche  rasch  in  die  grossen  Conilicte
zwischen  Kaiser  Friedrich  und  die  Päpste  hineingezogen
wurden,  in  Eine  Kegel  zusammenzufügen,  welche  so  viele
Tausende  umfasste  und  von  der  Praxis  und  den  Erfahrungen
der  bestehenden  Orden  so  sehr  abwich,  setzte  ein-  mehr  als
gewöhnliches  Organisationstalent  und  eine  lange  Andauer  des
primitiven  Eifers  voraus,  der,  wo  er  anhielt,  eine  Frucht  des
grossartigen  Beispiels  der  Nachfolge  Christi  war,  das  Franz
von  Assissi  gegeben.  Grosse,  nachhaltige  und  selbst  sehr  gefährliche ­
  Bewegungen  mussten  aber  entstehen,  wenn  das  Princip
der  Armuth  auf  die  Spitze  getrieben,  gegen  die  anderen  Ordnungen ­
  gekehrt  und  der  Versuch  gemacht  wurde,  Armuth  und
christlich  zu  identificiren  und  alle,  die  sich  nicht  der  Armuth
beflissen,  somit  nicht  als  rechtmässige  Christen  anzusehen.
Und  als  der  Orden  dann  doch  Kirchen  und  Klöster  baute,
Grund  und  Boden  erwarb,  Vermächtnisse  annahm,  in  seiner
Wirksamkeit  in  die  Rechte  anderer  Orden,  der  Universitäten
oder  des  Weltclerus  eingriff,  war  ein  Conilict  mit  diesem  ebenso
unausbleiblich  als  voraussichtlich,  dass  sich  im  eigenen  Innern
eine  Parteiung  zwischen  den  strengen  Beobachtern  der  von
dem  hl.  Franz  selbst  geübten  Lebensordnung  und  denjenigen
bilden  werde,  die  erkannten,  dass,  um  als  Orden  in  den  verschiedensten ­
  Ländern  und  bei  den  verschiedensten  Völkern  zu
wirken,  es  nicht  ausreiche,  auf  Bergeshöhen  mit  wenigen  Gefährten ­
  zu  weilen  und  Tage  und  Nächte  in  einsamem  Gebete
und  extatischem  Zustande  zuzubringen,  wie  es  Franz  von  Assissi
zu  thun  gewohnt  war.
Man  hat  jedoch  ein  Recht  zu  fragen,  ob  die  grossen  und
weittragenden  Veränderungen,  welche  der  romanische  Adel
auf  dem  weltlichen  wie  auf  dem  geistlichen  Gebiete  bisher  hervorgebracht, ­
  mit  denjenigen  verglichen  werden  können,  welche  die
beiden  unadeligen  Romanen,  Dominicus  und  Franz  von
Assissi  auf  dem  Höhepunkte  des  Mittelalters  und  als  der  Sieg  des
            
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