Die romnn. Welt und ihr YerhältnißS zu den Iteformideen des Mittelalters. 295
Allein die Persönlichkeit des h.. Franciscus, die Einfalt und
Treue seiner ersten Gefährten Hess über die Gefahren hinweggleiteD,
welche der Kirche durch einen Orden entstehen konnten,
der seine eigenen Wege ging und über kurz oder lang’ die
wichtigsten Erörterungen über das Verhältnis der Laien zu
den Geistlichen, des Ordens selbst zur besitzenden Kirche und
der Rechtmässigkeit der Erwerbung von Besitz und Eigenthum
durch einen wahren Christen in sich schloss. Selig, meinte
Franciscus, wer um Gottes Willen menschlichen Wissens sich
entschlägt. Er bedurfte keines anderen Buches als der täglichen
Betrachtung des Lebens und Sterbens Christi. Die
Herrlichkeit des Himmels, die er erwartete, machte ihn stark,
alle Krankheit, alle Schmach, alle Verfolgung, alles Leiden zu
ertragen. Als er, 45 Jahre alt, am 4. October 1229 in der
Engelskirche zu Assissi starb, waren ihm bereits 5000 Brüder
beigetreten. Im Jahre 1264 gab es in 8000 Klöstern an
200.000 Franciskanermönche. Eine neue Generation war entstanden,
Glaubensboten eilten nach Innerasien wie nach Afrika,
Fürsten und Fürstinnen nahmen das demüthige Gewand des
b. Franciscus an; eine geistige Bewegung ohne Gleichen machte
sich bemerkbar. Die Gründung der beiden Orden gab beinahe
ein Jahrhundert später Anlass zu einer der schönsten Episoden
der romanischen (italienischen) Poesie, da im eilften Gesänge
des Paradiso Dante d’Alighieri, der grösste christliche Dichter
des Mittelalters, dem grossen Kirchenlehrer Thomas von Acpiin
das Lob des h. Franciscus in den Mund legt, der die Armutb,
nachdem sie mehr als 1100 Jahre (seit Constantins angeblicher
Schenkung an Papst Sylvester) verlassen und aufgegeben war,
wieder zu Ehren brachte, so dass Franz und Armuth (Francesco
e poverta) von nun an nicht mehr getrennt werden könnten. 1
papalisto e altre sue profetia. Questo Santo Abate fu grandemente dotato
di spirito profeticho sichome si truova per la sua legienda e altre scritture
e solenni testiraoni e auchora per testimonio del poeta Dante nel
suo libro chiamato paradiso, dove dicie.
Rabano e quivi e lucemi dal lato
el calavrese Abate Giovacchino di spirito profetico dotato. Canto XI.
Ma il principale illuminatore fu San Francesco l’Angelo del VI 0 sugello.
1 La lor concordia e i lor lieti sembianti
Amore e maraviglia e dolce sguardo
Faceano esser cagion de’ pensieri santi.