Die roman. Welt und ihr Verliilltniss zu den Refonnideen des Mittelalters. 291
Während das geharnischte Auftreten der Katharer, das
stille schleichende Umsichgreifen der Waldenser Päpste und
Bischöfe bewog, auf dem Wege von Synoden für die Wiederherstellung
strenger Zucht zu sorgen, erkannte der Spanier
Dominicus aus einem ehrbaren Geschleckte zu Calarvoga 1 in
der Diücese Osma mit richtigem Blicke die Nothwendigkeit,
für einen besseren Unterricht, für eine gründlichere Belehrung
zu sorgen, um dadurch der Häresie den Boden zu entziehen.
Es handelte sich, wie es ausdrücklich heisst, als ihm und seinen
Gefährten in Toulouse Einkünfte zugewiesen wurden, um Ausrottung
der häretischen Verkehrtheit, Entfernung der Laster,
Unterricht in der Glaubenslehre und sittliche Erziehung. Der
neue Orden, gegründet in Toulouse, bestätigt vom Papst Honorius
III., bedurfte wissenschaftlicher Bildung; es waren
öffentliche Lehrer der Theologie, des canonischen und bürgerlichen
Rechtes, welche gleich anfänglich zu den ,Predigermönchen'
übertraten. Das Studium des Evangeliums sollte die
Grundlage der Predigten und der Missionsthätigkeit werden.
Wohin Dominicus zog, überall begleiteten ihn die Briefe des
h. Paulus und das Evangelium Mathäi. Man rühmte von ihm,
dass er stets ein fleckenloses reines Leben geführt habe, sanft,
duldsam, friedlich, massig und bescheiden, von hiureissender
Beredtsamkeit gewesen sei, der, befragt, woraus er den Stoff
zu seinen Vorträgen genommen, erwiederte: aus dem Buche der
Liebe, da finde man Belehrung für Alles. Er selbst hatte die
ihm mehrfach angetragene bischöfliche Würde ausgeschlagen,
aber 800 Bischöfe, 150 Erzbischöfe, 50 Cardinäle und 4 Päpste
entstammten seinem Orden. Er besass bereits GO Klöster, als
Dominicus 5. August 1221 in Bologna starb. Die bedeutendste
wissenschaftliche Grösse des Mittelalters, Thomas Graf von
Acpiin, gehörte seinem Orden an, in Deutschland Albert der
Grosse, Graf von Lauingen. Da die Katharer, Männer und
Frauen, von einem ungeheuren Drange beseelt waren, Propaganda
zu machen und selbst ohne Bücher und ohne Wissenschaft
Andere zu belehren trachteten, war die Betonung eines
sorgfältigen Unterrichtes, die wissenschaftliche Bekämpfung der
1 Geboren 1170, also gerade zu der Zeit, als Peter Waldez zu lehren
begann.
Sitzungsber. d. pbil.-hist. CI. XCt. Bd. II. Hft. 20