Die roman. Welt und ihr Verhilltniss zu den Reformideen des Mittelalters. 285
bis 1181 weichen, als K. Friedrich die ganze Kraft des staufischen
Kaiserthums daran setzte, das Papstthum völlig- von sich abhängig
zu machen. Nochmal wurde Frankreich die Zufluchtsstätte
des aus Italien durch den deutschen Kaiser vertriebenen
Papstes. Friedrich schien in seiner Machtfülle nicht zu bemerken,
welche Kluft zwischen ihm und der übrigen Welt sich
aufthue, wie er sich immer mehr und mehr isolire, während, obwohl
auch aus llom vertrieben, der Papst sich weigerte, die
Ordnung des deutschen Kaiserthums umzustossen und den
romäischen- Kaiser Manuel zum römischen Kaiser zu erheben.
Nach dem zweiten grossen Siege, den das Papstthum hundert
Jahre nach dem Tage von Canossa, zu Venedig errang, folgte in
siebenzehn Jahren, 1181—1198, das Pontiiicat von sechs romanischen
Päpsten, des Luccliesen Lucius III., des Mailänders
Urban III., Gregors VIII. von Benevent, Clemens III. aus
Rom, und ebenso des Römers Cölestin III., stürmische Tage,
die mit der Aufrichtung staufischer Zwingherrschaft in Italien,
dem Umstürze des normannischen Königshauses, der Realisirung
masslos ausgreifender Pläne K. Heinrichs VI. erfüllt
waren, als mit dessen frühem Tode 1197 und der Erhebung
Papst Innocenz III. aus dem Hause der Conti von Anagni 1198
der ungeheure Umschlag zu Gunsten des Papstthums erfolgte,
das nunmehr im ausschliesslichen Besitze der Romanen im
dreizehnten Jahrhundert das Kaiserthum erst vergab, dann
stürzte und vernichtete.
Der lange Kampf mit den Kaisern, zwei Franken, Heinrich
IV. und Heinrich V., zwei Staufern Friedrich I. und Heinrich
VI. hatte ungemeine Hiilfsquellen verbraucht. Die Kaiser
hatten ihre ganze Macht ins Feld geführt, die Päpste die der
Kirche dagegen aufgeboten, Macht stand der Macht gegenüber.
Die Bischöfe und Aebte, die es mit dem Papste hielten, wurden
vertrieben, die Sachsen kämpften mit den fränkischen Kaisern,
der Welfe Heinrich gründete sich eine deutsche Macht, während
der staufische Kaiser die seine an die Bekämpfung der Lombarden
setzte, die alten grossen Herzogthümer schwanden allmälig
dahin, die kaiserlichen Bischöfe erhielten grosse Reichslehen,
der Zustand des Reiches wurde in Folge dieser Kriege
ein anderer und der der Kirche auch. Man hatte in dem Exil
der Päpste, in dem laugen Streite, in welchem nur mühsam