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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 91. Band, (Jahrgang 1878)

Die  roraau.  Welt  und  ihr  Verhältniss  zu  den  Reformideen  des  Mittelalters.  28o

Selbstverständlich  haben  beide  Richtungen  auch  auf  andere
Völker  einen  mächtigen  Einfluss  ausgeübt.  Das  französische
Ritterthum  galt  als  die  Schule  aller  Ritter  der  Welt;  seine
frühe  Betheiligung  an  den  Kreuzzügen,  unter  welchen  man
nicht  blos,  wie  deutsche  Pedanten  lehrten,  die  Züge  nach
Jerusalem,  sondern  den  Weltkampf  mit  dem  Islam  verstand,
der  an  mehr  als  einem  Orte  eine  verführerische  Kraft  entwickelte, ­
  gab  den  kriegerischen  Bestrebungen  verschiedener
Völker  eine  einheitliche  Richtung.  Während  die  deutschen
Kaiser  fort  und  fort  nach  Italien  zogen,  Päpste  und  Communen
zu  bekämpfen,  wandte  sich  das  romanische  Ritterthum  gegen
den  allgemeinen  Feind  der  Christenheit  und  riss  Fürsten  und
Völker  mit  sich  fort.  Die  europäische  Welt,  bisher  auf  sich
selbst  angewiesen,  im  Osten  wie  im  Westen  angegriffen,  im
Süden  nicht  mehr  Herr  der  griechischen,  der  italischen,  der
spanischen  Gewässer  und  Inseln,  entschlug  sich  unter  der
Führung  der  Romanen  dieser  fast  zermalmenden  Umstrickung,
ging  auf  allen  Punkten  zur  Offensive  über  und  eröffhete  einen
Kampf  in  Asien,  bald  auch  in  Afrika,  der  selbst  dann  nicht
endete,  als  der  edelste  Kampfpreis,  Jerusalem,  in  die  Hände
Saladins,  oder  Constantinopel  in  die  Hände  der  Osmanen  gefallen ­
  waren.  Die  Klosterbegründungen  der  Romanen  fanden
ihr  zahlreiches  Echo  auf  deutschem  Boden,  auf  slavischer  Erde.
Hand  in  Hand  mit  der  Reform  der  Sitte  und  dem  religiösen
Aufschwünge  ging  die  grossartige  Entwicklung  der  Baukunst,
nicht  der  zahlreiche,  sondern  der  zahllose  Bau  sogenannter
gothischer  Kirchen,  der  von  dem  grossen  Umkreise  von  Paris
aus  neue,  immer  grössere  Kreise  beschrieb  und  endlich  mit  dem
Namen  des  gothischen  Styles  belegt  wurde,  der,  da  jede  Nation
des  christlichen  Abendlandes  daran  sich  in  eigenthümlicher
Weise  betheiligte  und  weil  derselbe  keiner  speciell  und  jeder
im  Allgemeinen  angehörte,  einer  Nation  zugeschrieben  wurde,
die  nicht  mehr  bestand.  Es  genügt  noch  hinzuweisen,  dass
Paris  und  Bologna  als  Weltuniversitäten,  die  eine  die  theologische ­
  Entwicklung  beherrschte,  die  andere  die  politische
Welt,  und  die  deutschen  Kaiser  sich  aus  dieser  das  Rüstzeug
für  ihren  politischen  Absolutismus  holten,  wie  Paris  Bischöfe
und  Päpste  heranzog,  die  christliche  Welt  mit  gelehrten  Theologen ­
  versorgte.  Es  war  eine  grosse  That  der  Romanen,  als
            
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