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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 91. Band, (Jahrgang 1878)

Die  roman.  Welt  und  ihr  Verliiiltniss  zu  den  Reformideen  des  Mittelalters.  279

that  im  Schoosse  der  Christenheit  eine  so  ausserordentliche
Erscheinung  Noth  wie  Abt  Bernhard,  der  Sohn  des  Herrn
von  Fontaine,  war,  der  durch  seine  Tugenden,  seine  Beredtsamkeit,
  seine  grenzenlose  Hingebung  an  die  Sache  der  christlichen ­
  Kirche,  die  Energie  seines  Willens  eine  Stellung  ohne
Gleichen  erlangte,  so  dass  Könige  und  Fürsten,  Päpste,  Bischöfe
und  Gelehrte  seinem  Rufe  folgten,  er  der  geistige  Leiter,  der
Mittelpunkt  jener  Periode  wurde,  die  von  dem  Ende  des  Investiturstreites ­
  bis  zum  Wiederausbruche  des  Kampfes  der
Staufer  mit  der  Kirche  sich  hinzog  und  einen  Waffenstillstand,
die  Zeit  des  gegenseitigen  Sammelns  der  Kräfte  in  sich  schloss.
Unter  seiner  Leitung  wuchs  die  Generation  heran,  w T elche,  .als
Friedrich  Barbarossa  das  römische  Kaiserrecht  für  sich  in  Anspruch ­
  nahm,  Kirche  und  Papstthum  sich  unterthänig  machen
wollte,  wo  er  konnte,  die  bürgerliche  Freiheit  zertrat,  in  der
Verfolgung  standhaft  aushielt,  den  Kampf  siegreich  führte  und
eine  bessere  Zeit,  als  sie  weltlicher  Absolutismus  geben  konnte,
anbahnte;  der  zweite  Triumph  über  kaiserliche  Willkür  knüpft
sich  an  die  Ausdauer  der  Cistercienser  an.
Selbst  den  strengen  Orden  von  Premontre  bei  Laon,  obwohl ­
  von  einem  Deutschen,  Norbert  von  Xanten,  aus  vornehmem ­
  Geschlechte  Westfalens  begründet  und  dann  hauptsächlich ­
  in  germanischen  und  germanisch-slavischen  Ländern
ausgedehnt,  kann  man  zu  diesen  romanischen  Stiftungen  zählen,
da  der  Bischof  Bartholomäus  von  Laon  auf  acht  karolingischem ­
  Boden  vor  Allem  dazu  die  Hand  reichte  und  Norbert
erst  durch  die  Mission  des  Grafen  von  der  Champagne
1125  Deutschland  wieder  gegeben  wurde.  Der  Orden  wurde
ein  würdiges  Gegenstück  zu  dem  von  Clugny,  zu  den  Camaldulensern
  und  Karthäusern  in  Strenge,  Enthaltsamkeit,  Abtödtung
  und  Selbstentäusserung.  Es  bedurfte  eines  wahren
Löwenmuthes,  sich  in  der  trostlosen  Wildniss  niederzulassen,
in  welcher  diese  Ansiedlungen  stattfanden,  und  jene  Entbehrungen ­
  willig  und  als  regelmässig  zu  ertragen,  gegen  welche
sich  der  menschliche  Organismus  sträubt.  Eintausend  Abteien,
dreihundert  Propsteien,  fünfhundert  Frauenklöster  des  Ordens
von  Premontre  bewiesen  den  Ernst  jener  Tage  in  Verachtung
irdischen  Glückes  und  Wohllebens.  Die  so  folgenreiche  Gründung ­
  des  Spitales  zu  St.  Johann  in  Jerusalem,  woraus  allmälig
            
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