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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 91. Band, (Jahrgang 1878)

Die  roraan  Welt  und  ihr  Verhältnis!?  zu  den  Reformideen  des  Mittelalters.  277

und  Beschwerde;  Wasser,  Brot  und  rohe  Kräuter  waren  die
Nahrung,  ein  stechendes  Gewand  von  ungewalkter  Wolle  die
Kleidung-.  Von  ihrer  Arbeit  lebend  hungerten  sie  selbst  um
Anderen  zu  geben.  1  Kein  Orden  hat  grössere  Bewunderung
erregt.  Sei  auch  der  Ort  selbst  schrecklich,  so  sei  er  doch  ein
wahres  Haus  Gottes,  die  ächte  Thiire  des  Himmels.  Von  einer
beinahe  gleichen  Strenge  ausgehend  gründete  1098  Robert,
Abt  von  St.  Michel  zu  Tonerre  (nachher  Molesme)  den  Orden
von  Cisterz  als  eine  Reform  des  Benedictiner-  und'  zugleich
des  Cluniacenserordens.  Gerade  damals  war  unter  den  burgundischen
  Ritter  der  Zug  nach  Castilieu  lebendig  geworden,  als
sich  Bernhard,  Sohn  des  Herrn  von  Fontaine,  Tecelin,
und  einer  Gräfin  von  Montbard,  geboren  1091,  entschloss,  in
den  Orden  vou  Cisterz  zu  treten  1110,  worauf  sein  Oheim,
Gauldry  Graf  vou  Touillon,  Bernhards  Brüder,  Hugo  Graf
vou  Macon,  eine  Schaar  burgundischer  Adeliger  dasselbe  thaten.
Sie  gründeten  im  Wermuththale  (vallee  d’Absinthe),  Clairvaux
(Claire-vallee)  1115.  Es  war  das  Gegenstück  zu  dem  ritterlichen ­
  Zuge  der  Burgunder  nach  Castilien,  der  zu  so  grossen
Veränderungen  in  Spanien  Anlass  gab.  Bernhard  selbst  stiftete
bei  seinen  Lebzeiten  (f  20.  August  1153)  zweiundsiebzig  Klöster,
die  sich  allmälig  auf  zweitausend  Mannes-  und  sechstausend
Frauenklöster  vermehrten.  Die  unfruchtbarsten  Gegenden  erhielten ­
  klösterliche  Niederlassungen,  Schweden  so  gut  wie  Italien,
Dänemark  wie  England,  Deutschland  wie  Frankreich,  England
und  Spanien.  Man  musste  verordnen,  dass  jede  neue  Abtei  zehn
burgundische  Meilen  von  der  andern  entfernt  sein  müsse,  so
sehr  häuften  sich  die  Niederlassungen.  Die  Thätigkcit  des  Ordens
beschränkte  sich  aber  so  wenig  als  die  der  Cluniacenser  auf
die  Klöster.  Aus  den  letztem  waren  die  entschiedensten  Vertheidiger
  der  kirchlichen  Rechte  im  Zeitalter  Kaiser  Heinrichs  IV.
hervorgegangen.  Die  Cistercienser  gaben  dem  Episcopate  eine
ascetische  Richtung.  Schon  1162  gab  es  siebenhundert  Bischöfe
und  Aebte,  der  Schüler  des  heiligen  Bernhard,  Eugen  III.,  bestieg ­
  den  römischen  Stuhl  1145-—1153  und  Bernhard  schrieb

1  Consideret  quisquis  quam  arcta  quam  dura  quam  paene  sterili  maneamus
in  eremo  et  quod  nihil  hoc  est  millas  possessiones  nnllos  redditus  extra
possideamus.  Ordensregel.

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