Die romüii. Welt uud ihr Verhiiltuias zu den Reformideen des Mittelalters. 275
grosse mitteleuropäische Macht aufzurichten, misslungen war,
gehörte die christliche Welt den Romanen; Papstthum, Königthum,
der Westen, der Süden, der Osten erhielten bis zum
Ausgange des Mittelalters ihre leitenden Impulse vor Allem
von den Romanen und dass dieses geschah, dass es in einem
so grossen Umfange erfolgte, war zum überwiegenden Theile
die Schuld — der Deutschen!
§. 2.
Die innere Thätigkeit (1er Romanen.
Während der für die Heranbildung der neueren Zeit so
ungemein denkwürdigen Periode, in welcher die alte Cultur
unter dem Einbrüche der Germanen erlag und die römischchristliche
einem ähnlichen Schicksale entgegenging, hatte vorzugsweise
der von Benedict von Nursia, einem der grössten
Wohlthäter der Menschheit, begründete Orden es unternommen,
die höheren Interessen des Menschengeschlechtes wach zu erhalten,
zu fördern und zu beleben, die rohen Classen Gesittung
zu lehren, ihnen Liebe an Grund und Boden einzuflössen, dem
unstäten Sinne zu steuern und die Germanen für die geistigen
Wohlthaten des Christenthums empfänglich zu machen. Die
Ordensregel entsprach in. wunderbarer Art den Bedürfnissen
jeder Zeit, da sie ebenso zur Arbeit als zur Contemplation einlud,
das Eigenthum nicht aufhob, aber den Privatbesitz entfernte,
Freiheit mit Gehorsam zu paaren wusste. Es war in
ihr ein welteroberndes Element, das geräuschlos voranschritt
und die Cultur des Geistes ebenso beachtete, als die des Bodens.
Die Regel des heiligen Benedict fand Unterstützung an der des
Kirchenvaters Augustinus, der bei dem Einbrüche der Vandalen
in Afrika sein Leben geschlossen, ehe er den Umsturz der
katholischen Kirche daselbst erblickt. Die Mission beider vollzog
sich auf dem ganzen weiten Boden, den die deutschen
Völker eiunahmen, deren Erziehung sich die Benedictiner zur
besonderen Aufgabe gestellt hatten. Der grosse politische Aufschwung
des karolingischen Zeitalters wie die Blütlie seiner
neulateiuischen Literatur steht mit der Wirksamksit des Benodictinerordens
im innigsten Zusammenhänge. Als die karolingische
Periode mehr und mehr selbstgeschaffenen Uebcln
Sitzungsber. d. phil.-hist. CI. XCI. Bd. 11. Hft. 19