Die roman. Welt und ilir Verliiiltuiss zu den Eeformideeu des Miltelalters. 2 iS
Der aragoniscbe Adel scheute keinen Kampf für seine Freiheiten
und Rechte. England arbeitete an der Vervollständigung
seiner Magna Charta. Die italienischen Communen entwickelten
sich zu mächtigen Staaten. Venedig und Genua stritten
sich um die Herrschaft an der Küste des Archipelagus, des
schwarzen, des kaspischen Meeres. Pisa berief den weisen
Alfonso von Castilien auf den römischen Königsthron, ehe es
im Kampfe mit den Genuesen unterging. Mailand schien im
vierzehnten Jahrhunderte der Mittelpunkt eines oberitalischen
Kirchenstaates (unter Giovanni Visconti f 1354) zu werden.
Ehe das Jahrhundert zu Ende kam, entstand ein mailändisches
Herzogthum. Seihst die Königskrone winkte den Viscontis
von Ferne und die Vereinigung Norditaliens in Einem mailändischen
Dominium schien nur mehr eine Frage der Zeit zu
sein. Catalanen drangen nach Constantinopel, der König von
Aragon erwarb Herrschaften in Griechenland. Gibt der Besitz
von Land- und Seemacht Anspruch auf Gewalt und Herrschaft,
so kam dieser nur mehr den Romanen zu. Ihnen gehörten
die bedeutendsten Königreiche, die massgebendsten
Bildungsanstalten, die Regierung der Kirche, sie übten auf das
politische wie auf das geistige Leben den nachhaltigsten Einfluss
aus. Gehörte die frühere Zeit des Mittelalters den
Deutschen, so gehörte die spätere mit ihrer prachtvollen Entfaltung
der Poesie wie der bildenden Künste, der Wissenschaft,
die in Paris ein europäisches Centrum erlangte, gehört der
Ruhm der Entwicklung des gesammten geistigen Lebens vor
Allem den Romanen an.
Vergleicht man nun die politische Thätigkeit der Romanen
mit der der Deutschen, so war es wohl den letzteren durch
den kühnen Wurf der Ottonen gelungen, die politische Verbindung
Deutschlands mit Italien herzustellen und dadurch
romanischer Ueberfluthung ein Ziel zu setzen, und als sich
zu den vereinigten Reichen Deutschland — Italien auch noch
das arelatische gesellte, war jene politische Verbindung von
Deutschen und Romanen eiugeleitet, die den internationalen
Charakter des deutschen Reiches bildete. Stand dieses durch
seine Verbindung mit dem Papstthum, durch die Vielheit
seiner Territorien und Dynastien, durch die Katastrophe, welche
das stautische Haus betraf und die schlimme Zwischenzeit