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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 91. Band, (Jahrgang 1878)

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H  Ö  f  ler.

anvertraut,  der  sein  grimmigster  Verfolger  gewesen,  Philipps  IV.
Nicht  darin  hatte  der  Fehler  bestanden,  dass  die  deutschen
Kaiser  das  Stammland  römischer  Herrschaft,  die  Wiege  der
Cultur  und  das  grosse  Seminar  abendländischer  Civilisation,
Italien,  mit  Deutschland  zu  vereinigen  strebten.  Wenn  sie  das
grossentheils  von  deutschen  Stämmen  bewohnte  Land  nicht
für  Italien  gewannen,  waren  Burgunder  und  Franzosen  bereit
es  für  sich  zu  gewinnen!  Dass  sie  aber  es  verschmähten,  dem
Lande  eine  Verfassung  zu  geben;  dass  sie  die  Commnnen
niederwerfen  und  vernichten  wollten,  statt  sie  für  das  Königthum ­
  zu  gewinnen;  dass  sie  Mailand  zerstörten,  statt  dort  zu
residiren,  Gegenpäpste  aufstellten,  die  sie  dann  schliesslich
fallen  lassen  mussten,  endlich  den  Parteikampf  der  Guelfen
und  Ghibellinen  unversöhnlich  machten  und  bewirkten,  dass
Alexander  III.  wie  Innocenz  III.  sich  mit  den  Städten  verbanden, ­
  Innocenz  IV.  die  Sicilianer  zum  Freiheitskampfe  aufrief, ­
  das  Kaiserthum  identificirt  mit  schrankenloser  Gewalt  und
altrömischem  Absolutismus  aufhörte  Quelle  des  Rechtes  zu
sein,  in  einem  Winkel  Apuliens  (13.  December  1250)  unterging ­
  und  nun  vom  romanischen  Papstthum  beerbt  wurde,  das
war  ihr  unheilvolles  Werk.  Es  war  aber  nicht  nothwendig,
dass  dieses  geschehe  und  der  grosse  Triumph  der  Romanen  im
vierzehnten  Jahrhunderte  durch  deutsche  Hände  vervollständiget
werde.  Betrieb  doch  der  erste  eigentliche  avignonesische  Papst
Johann  XXII.  vor  Allem  die  Trennung  Italiens  vom  deutschen
Reiche,  um  letzteres  schwach  und  ohnmächtig  zu  machen,  ein
Beweis,  dass  er  die  Stärke  des  Kaiserthums  in  seiner  Verbindung ­
  mit  Italien  erblickte!  Gerade  die  Ertheilung  von
fueros  hatte  die  romanischen  Könige  Castiliens  so  sehr  ausgezeichnet ­
  und  ein  eigenthümliches  Leben  in  den  Städten
dieses  weitausgedehnten  Reiches  hervorgerufen.  Seit  Justiniau
hatte  für  Sammlung,  Ordnung  und  Sichtung  von  Gesetzen
kein  Herrscher  mehr  gethan  als  Don  Alfonso  el  Sabio  König
von  Castilien  1252—1284.  Kein  Fürst  seiner  Zeit  kam  an
wahrhaften  Regententugenden  K.  Ludwig  von  Frankreich
gleich,  an  kriegerischem  Ruhm  verdunkelte  Don  Jayme  von
Aragon  alle  Zeitgenossen.  An  sittlicher  Grösse  überragte  ihn
aber  der  Eroberer  Andalusiens,  Don  Fernando  III.,  an  Gelehrsamkeit ­
  Don  Alfonso  X.  von  Castilien  alle  Zeitgenossen!
            
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